Ein Staat wird – wie alle Staaten – gegründet für alle Ewigkeit und verschwindet nach vierzig Jahren nahezu spurlos. Sind die Menschen, die dort einmal lebten, dem Vergessen anheimgefallen und ihre Träume nur ein kurzer Hauch im epochalen Wind der Zeitläufte?
In seinem fulminanten Gesellschaftsroman lässt Christoph Hein Frauen und Männer aufeinandertreffen, denen bei der Gründung der DDR unterschiedlichste Rollen zuteilwerden, begleitet sie durch die dramatischen Entwicklungen einer im Werden befindlichen Gesellschaft, die das bessere Deutschland zu repräsentieren vermeint und doch von einem Scheitern zum nächsten eilt.
Überzeugte Kommunisten, ehemals begeisterte Nazis, in Intrigen verstrickte Funktionäre, ihre Bürgerlichkeit in den Realsozialismus hinüberrettende Intellektuelle, Schuhverkäufer, Kellner, Fabrikarbeiter, Hausmeister und selbst ein hoher Stasi-Mann erkennen auf die eine oder andere Art ihre Zugehörigkeit zu einer unfreiwilligen Mannschaft an Bord eines Gemeinwesens, das sie zunehmend als Narrenschiff wahrnehmen und dessen Kurs auf immer bedrohlichere historische Klippen ausgerichtet ist.
In seinem fulminanten Gesellschaftsroman lässt Christoph Hein Frauen und Männer aufeinandertreffen, denen bei der Gründung der DDR unterschiedlichste Rollen zuteilwerden. Er begleitet sie durch die dramatischen Entwicklungen eines Staates, der als das bessere Deutschland gelten wollte und nach 40 Jahren nahezu spurlos verschwand.
Sind die Menschen, die dort einmal lebten, dem Vergessen anheimgefallen und ihre Träume nur ein kurzer Hauch im epochalen Wind der Zeitläufte? Christoph Hein lässt sie zu Wort kommen: überzeugte Kommunisten, ehemalige Nazis, verstrickte Funktionäre, kritische Intellektuelle, Schuhverkäufer, Kellner, Fabrikarbeiter, Hausmeister, auch einen hohen Stasi-Offizier. Doch zunehmend erleben sie die neue Gesellschaft als ein Narrenschiff, dessen Kurs auf immer bedrohlichere historische Klippen zusteuert. Mit scharfem Blick und literarischer Kraft zeichnet Hein ein facettenreiches Panorama zwischen Ideologie, Anpassung und stillem Widerstand.
Georg-Büchner-Preis 2025
»Frau Ministerin, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Sohn.«
Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern. Mit einer Sprachkraft, die Staunen macht, erzählt die preisgekrönte Schriftstellerin Ursula Krechel von symbiotischer Mutterschaft, von existenziell gefährdeten Frauen und von politischer Gewalt.
Mit seiner Mutter sprechen zu müssen, ist für den Sohn von Eva Patarak ein Staatsverbrechen. Für Eva hingegen ist es ein Verbrechen, dass ihr Sohn und sie offenbar ausspioniert werden. Welches Ziel verfolgt die Lateinlehrerin Silke Aschauer mit ihrer Observation? Will sie etwa einen Roman schreiben? Bieten die grausamen Familienverhältnisse der Antike, die sie für den Unterricht aufbereitet, nicht ausreichend Stoff für Faszination? Fest steht nur: Silke hält längst nicht alle Fäden in der Hand, denn ihr eigener Körper hat einen blutigen Aufstand gegen sie angezettelt, der sie in die Rolle der Patientin zwingt. In ihrer Ohnmacht wenden sich beide Frauen an die Justizministerin – ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie die Staatsvertreterin damit bringen. Ursula Krechel schreibt in ihrem hoch politischen und stilistisch herausragenden Roman eine Kulturgeschichte aller Frauen – von einer römischen Kaisermutter zu einer Studienrätin, von einer Verkäuferin in einem kleinen Kräuterimperium zu einer Ministerin. Es ist die Geschichte ihres Widerstands gegen die Gewalt, die ihnen physisch und psychisch zugemutet wird.
»Niemand erzählt so formbewusst wie Ursula Krechel.« Andreas Platthaus, FAZ
»Mit ihr zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. […] Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen.« Jury des Georg-Büchner-Preises
Auch 80 Jahre nach der Befreiung von Buchenwald ist die Erinnerung an den Holocaust nicht in der demokratischen Mitte angekommen. Die Angriffe auf das, was im Land Gedächtniskultur heißt, kommen nicht mehr nur von rechts. Warum? Was ist da los? Ines Geipel taucht noch einmal in die Vergangenheit ein, sucht nach den Quellen der Lagerwelt und befragt die Legenden nach 1945: von der vorbildlichen Aufarbeitung im Westen bis zum antifaschistischen Staatsmythos der DDR. Ein bestürzendes, hochaktuelles Buch über die alte und neue Unfähigkeit zu trauern und die Erinnerungskälte nach zwei Diktaturen.
»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas, eine stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht »mit wehenden Fahnen« ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben.
Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.
Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.
Ein hoch amüsanter Roman über die Frage, wie sehr man sich selbst treu bleiben kann und will.
Zwei Brüder im Hinterland von Montana. Bis jetzt kamen sie noch immer über die Runden, mit dem Holzfällen, dem gelegentlichen Wildern im Yellowstone Nationalpark. Doch nach dem Tod ihres Vaters stapeln sich die Rechnungen, das Dach ist undicht, der Winter nah. Thad und Hazen müssen etwas tun und dafür die eingespielten Rollen, ihr immer gleiches Schauspiel – der eine der strenge und verantwortungsvolle Bruder, der andere verträumt und zu nichts nutz – beenden. Nur so haben sie eine Chance, den unmöglichen Auftrag ihres Kontaktmanns zu erfüllen und sich den Ärger mit dem Geld zumindest eine Weile vom Hals zu halten. Doch dann passiert ein Unglück, bei dem noch mehr verloren geht als das eigene Selbstverständnis.
Bärenzähne ist ein packender, ein rührender Roman über die Bürde, füreinander sorgen zu müssen, über die Schönheit und Lebensgefahr in wilder Natur. Callan Wink knüpft darin ein unvergessliches Band zwischen zwei ungleichen Brüdern in einem weiten, abgründigen Land.