Am 7. Oktober 2023 stürmten Hamas-Terroristen den Kibbuz Be’eri und zerstörten sein Leben. Vor den Augen seiner Frau Lianne und der beiden Töchter Noiya und Yahel barfuß aus der Haustür gezerrt, stürzte Eli Sharabi bald darauf in die erstickende Dunkelheit in den Tunneln der Hamas. Während um ihn herum der Krieg tobte, verbrachte er 491 Tage in Gefangenschaft. Immer in der Hoffnung, dass er seine Familie irgendwann wiedersehen wird. Seine Geschichte handelt von Hunger und Schmerz, von Sehnsucht, Einsamkeit und einer Hilflosigkeit, die die Seele zu zerstören droht. Gleichzeitig ist es eine Geschichte, die auf einzigartige Weise von der menschlichen Stärke zeugt: sich immer und immer wieder auf die Seite des Lebens zu schlagen.
In dem ersten Memoir einer befreiten israelischen Geisel legt Eli Sharabi ein wahrhaft berührendes Zeugnis ab. Für die Menschlichkeit, das Erinnern und das Überleben. 491 Tage wird so zu einem Buch, das man nie mehr vergisst.
Von großen und kleinen Lügen, von Zuneigung und Schmerz erzählt Dana Vowinckel in ihrem preisgekrönten Debütroman. Gewässer im Ziplock ist eine mitreißende Familiengeschichte zwischen jüdischer Tradition und deutschem »Gedächtnistheater«. Eine Geschichte voller Leben und Menschlichkeit.
Ein Sommer zwischen Berlin, Chicago und Jerusalem. Wie jedes Jahr verbringt die fünfzehnjährige Margarita ihre Ferien bei den Großeltern in den USA. Doch sie hat Heimweh, nach ihren Freunden und ihrem Vater, der in einer Berliner Synagoge die Gebete leitet. Die Mutter hat die beiden verlassen, als Margarita drei Jahre alt war. Höchste Zeit, beschließt der Familienrat, dass sie einander besser kennenlernen. Und so wird Margarita in ein Flugzeug nach Israel gesetzt, wo ihre Mutter seit Kurzem lebt. Gleich nach der Ankunft geht alles schief, die Reise durchs Heilige Land reißt alte und neue Wunden auf, da müssen sie schon wieder zurück nach Chicago, wo sich alle um das Krankenbett der Großmutter versammeln und Margarita eine Entscheidung treffen muss.
»Dana Vowinckels Roman ist von tiefer Weisheit, er kennt das Wanken, die Sehnsüchte und Zerrissenheit des Weltenwanderns.« Julia Franck, Autorin von Die Mittagsfrau
»Dana Vowinckel soll bitte weiter und immer weiter erzählen. Ich möchte noch hundert Bücher von ihr lesen.« Daniela Dröscher, Autorin von Lügen über meine Mutter
Eine Schriftstellerin reist im Hochsommer nach Athen, um dort einen Schreibkurs zu geben. Während ihre eigenen Verhältnisse vorerst im Dunkeln bleiben, wird sie zur Zuhörerin einer Reihe von Lebensgeschichten und -beichten. Beginnend mit dem Sitznachbarn auf dem Hinflug, seinen Schilderungen von schnellen Booten und gescheiterten Ehen, erzählen ihre Bekanntschaften von Ängsten, Begierden, Versäumnissen und Lieblingstheorien. In der erstickenden Hitze und dem Lärm der Stadt schaffen diese verschiedenen Stimmen ein komplexes Tableau menschlichen Lebens. Und dabei wird, zunächst in Umrissen, zugleich das Bild einer Frau – der Schriftstellerin – kenntlich, die zu lernen beginnt, einem einschneidenden Verlust zu begegnen.
Outline ist ein so wagemutiger wie eleganter Roman über Liebe, Verlust, Erinnerung und den elementaren Drang, den anderen und sich selbst Geschichten zu erzählen.
Dieses Buch ist Teil der Outline-Trilogie.
In Rachel Cusks Outline-Trilogie begleiten wir die Schriftstellerin Faye auf ihren Reisen, während sie in intensiven Gesprächen das Leben und die Beziehungen ihrer Mitmenschen reflektiert. Mit radikaler Zurücknahme der Ich-Erzählerin entsteht ein faszinierendes Porträt moderner Selbstverlorenheit – eine weibliche Odyssee im 21. Jahrhundert.
Jeder Band ist in sich abgeschlossen und kann unabhängig voneinander gelesen werden.Dieses Buch ist Teil der Reihe »75 Jahre Bibliothek Suhrkamp«: Willy Fleckhaus hatte für die Bibliothek Suhrkamp ein ikonisches Coverdesign und eine eigene visuelle Ordnung geschaffen. Mit »30 Farben für Willy Fleckhaus« (2026) greift Olaf Nicolai diese Gestaltung auf und aktualisiert die scheinbar zeitlose Gestaltungsgrammatik. Mit deren mathematisch berechneten Kombinationen bespielt er dieses Raster und verändert unseren Blick auf Fleckhaus’ Arbeit: Was ursprünglich als funktionaler Entwurf gedacht war, wird jetzt als konzeptuelle Struktur sichtbar. Nicolai erzeugt so eine neue Aufmerksamkeit für die Reihe als Form, er konserviert sie nicht, er aktiviert sie, er zeigt die Bibliothek Suhrkamp als eine höchstlebendige Struktur.
Mit traumwandlerischer Präzision und radikaler Nüchternheit erzählt Marguerite Duras von einer Jugend am Rand der Welt – von Begehren und Gleichgültigkeit, von einer Mutter, die schweigt, und Brüdern, die scheitern. Von einem Mädchen, das zu früh erwachsen wurde.
Indochina, Anfang der 1930er Jahre: Ein fünfzehnjähriges französisches Mädchen überquert den Mekong auf einer Fähre. Am Ufer begegnet es einem zwölf Jahre älteren Chinesen – reich, von seinem Vater beherrscht, aus einer anderen Welt. Aus der Begegnung entsteht eine körperliche Liaison ohne Sentimentalität, die anderthalb Jahre dauern wird. Doch die eigentliche Geschichte spielt anderswo: in der dysfunktionalen Familie, bei dem älteren Bruder, der zerstört, was er berührt; der jüngere, der zu früh stirbt; die Mutter, die alles sieht und nichts wahrhaben will. Und das Mädchen, das sich selbst noch nicht kennt.
Dieses Buch ist Teil der Reihe »75 Jahre Bibliothek Suhrkamp«: Willy Fleckhaus hatte für die Bibliothek Suhrkamp ein ikonisches Coverdesign und eine eigene visuelle Ordnung geschaffen. Mit »30 Farben für Willy Fleckhaus« (2026) greift Olaf Nicolai diese Gestaltung auf und aktualisiert die scheinbar zeitlose Gestaltungsgrammatik. Mit deren mathematisch berechneten Kombinationen bespielt er dieses Raster und verändert unseren Blick auf Fleckhaus’ Arbeit: Was ursprünglich als funktionaler Entwurf gedacht war, wird jetzt als konzeptuelle Struktur sichtbar. Nicolai erzeugt so eine neue Aufmerksamkeit für die Reihe als Form, er konserviert sie nicht, er aktiviert sie, er zeigt die Bibliothek Suhrkamp als eine höchstlebendige Struktur.
Das Kultbuch jetzt als eindrucksvoll illustriertes Kunstwerk neu entdecken
Als Esther Greenwood ihr Praktikum bei einem New Yorker Modemagazin antritt, scheint es die Schwelle in eine aufregende Zukunft zu sein: Leben in der betörenden Großstadt, waghalsige Männer, hitzige Dinner und Tanzabende. Doch ihr Weltbild gerät ins Wanken, beginnt zu schlingern – und öffnet sich auf eine Dunkelheit, in der ihr alles zunehmend unwirklich erscheint.
Vor 60 Jahren erschien die amerikanische Erstausgabe von Die Glasglocke, Sylvia Plaths einzigem Roman – kurz darauf nahm sie sich das Leben. Der Roman avancierte bald zum Kultbuch, beschrieb er doch wie nie zuvor die Zerrissenheit einer jungen Frau und die Dynamik psychischer Erkrankungen. In dieser Ausgabe vereinen sich nun Plath‘ Roman und Beya Rebaïs Illustrationen zu einem Gesamtkunstwerk.
Sylvia Plath schrieb mit Die Glasglocke bahnbrechend über den Kampf um den eigenen Platz in der Welt – es begründete ihren Ruhm als feministische Ikone. Auch heute hat dieses Jahrhundertbuch nichts von seiner beklemmenden Faszination verloren, kongenial untermalt von Beya Rebaï.
Zu Beginn des neuen Jahrtausends kehrt Carl Bischoff aus der brandenburgischen Provinz nach Berlin zurück, doch nur, um bald wieder aufzubrechen. Seine Pilgerschaft folgt jener wie aus dem Nichts aufgetauchten Tochter eines kasachischen Schamanen, die fast alles über ihn zu wissen scheint. Amsterdam, Rotterdam, die Kurische Nehrung und die winterkalte Steppe Kasachstans sind die Stationen ihrer märchenhaft-magischen wie zweifelhaften Liebe. Einen surrealen Ausgang findet Ayshas und Carls Geschichte mitten im alten Atombombentestgelände, in dem sich Ayshas Sippe verschanzt hat, um ein Opfer zur Rettung der Erde vorzubereiten – während Carl der Welt abhandenkommt.
Ist das Liebe, Verhängnis – oder Verschwörung? Dieser große, Grenzen sprengende Roman beginnt mit einer kleinen, nicht heilenden Wunde, die ein Kuss verursacht hat, und führt uns um den halben Erdball. Nach den preisgekrönten Bestsellern Kruso und Stern 111 erzählt Lutz Seiler das Leben seines Helden weiter, in dem sich Weltgeschichte und persönliches Schicksal überschneiden.Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.
Frühjahr 1931. Im indischen Baskul toben Unruhen, ein revolutionärer Umbruch steht bevor. Der englische Konsul Conway, sein Stellvertreter, eine englische Missionarin und ein amerikanischer Geschäftsmann müssen fliehen. In einem kleinen Flugzeug soll es nach Peschawar gehen. Doch die Maschine gerät unter rätselhaften Umständen von der vorgesehenen Route ab und muss im Himalaya notlanden. Unerwartet finden sich die vier Fremden in einem abgelegenen Hochtal wieder, einem legendären Paradies des Friedens und der Schönheit, bekannt als Shangri-La. Die buddhistische Klostersiedlung bietet den Gestrandeten Zuflucht – und wirft Rätsel auf. War ihre Notlandung vielleicht kein Zufall? Hat man sie in Shangri-La erwartet? Weshalb? Können sie entkommen? Und wollen sie das überhaupt?
James Hiltons Kultroman liest sich spannend wie ein Abenteuerroman. Seine Utopie, in den unsicheren Jahren zwischen den Weltkriegen entstanden, spiegelt den Wunsch nach Frieden und Harmonie wider und hat bis heute nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
»Anhand von drei Generationen iranischer Frauen, die im Wahnsinn der großen Geschichte gefangen sind, hinterfragt Jina Khayyer mit kraftvollem Atem die Vorstellungen von Exil, Erbe und Emanzipation.« Leïla Slimani
Es ist Nacht in Südfrankreich. Jina sitzt an ihrem Schreibtisch, das Telefon in der Hand. Im Sekundentakt aktualisiert sich ihr Instagram-Feed. Sie liest: »Jina Mahsa Amini wurde in Teheran von der Sittenpolizei ins Koma geprügelt.« Im nächsten Moment begreift sie: Die junge Frau, die so heißt wie sie, ist tot. Im Feed folgen die Bilder: der Protestzug Tausender Menschen auf den Straßen, Mädchen und Frauen, die ihre Haare unverdeckt tragen, darunter auch Jinas Schwester Roya und ihre Nichte Nika.
Was als Versuch beginnt, die Gegenwart zu begreifen, wird zur Reise in die Vergangenheit. Denn die Ereignisse wecken in Jina Erinnerungen an ihre eigenen Aufenthalte im Iran: an die Gastfreundschaft der Menschen, den reich gedeckten Tisch der Tanten, die Begegnungen im Sammeltaxi, den Roadtrip zu Zarathustras Feuertempel in Yazd – und an eine geheime Liebe. Aber auch an die Proteste während der Grünen Bewegung 2009, an denen Jina teilnahm und die zur einschneidenden Lebenserfahrung wurden.
Im Herzen der Katze ist eine Familien- und Liebesgeschichte, die Vorstellungen von Nationalität und Zugehörigkeit, von Frausein und Freiheit hinterfragt. Mit poetischer Intensität erzählt Jina Khayyer von Mut, Solidarität und Verantwortung und vom Nachklingen einer Heimat, die sich nicht abschütteln lässt.
Georg-Büchner-Preis 2025
»Frau Ministerin, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Sohn.«
Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern. Mit einer Sprachkraft, die Staunen macht, erzählt die preisgekrönte Schriftstellerin Ursula Krechel von symbiotischer Mutterschaft, von existenziell gefährdeten Frauen und von politischer Gewalt.
Mit seiner Mutter sprechen zu müssen, ist für den Sohn von Eva Patarak ein Staatsverbrechen. Für Eva hingegen ist es ein Verbrechen, dass ihr Sohn und sie offenbar ausspioniert werden. Welches Ziel verfolgt die Lateinlehrerin Silke Aschauer mit ihrer Observation? Will sie etwa einen Roman schreiben? Bieten die grausamen Familienverhältnisse der Antike, die sie für den Unterricht aufbereitet, nicht ausreichend Stoff für Faszination? Fest steht nur: Silke hält längst nicht alle Fäden in der Hand, denn ihr eigener Körper hat einen blutigen Aufstand gegen sie angezettelt, der sie in die Rolle der Patientin zwingt. In ihrer Ohnmacht wenden sich beide Frauen an die Justizministerin – ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie die Staatsvertreterin damit bringen. Ursula Krechel schreibt in ihrem hoch politischen und stilistisch herausragenden Roman eine Kulturgeschichte aller Frauen – von einer römischen Kaisermutter zu einer Studienrätin, von einer Verkäuferin in einem kleinen Kräuterimperium zu einer Ministerin. Es ist die Geschichte ihres Widerstands gegen die Gewalt, die ihnen physisch und psychisch zugemutet wird.
»Niemand erzählt so formbewusst wie Ursula Krechel.« Andreas Platthaus, FAZ
»Mit ihr zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. […] Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen.« Jury des Georg-Büchner-Preises
Flüchtige Begegnungen in fremden Häfen, eine enge Kabine und das Meer – mehr braucht sie nicht, um glücklich zu sein. Bis sie eines Tages Samsa begegnet, einer Geologin, die ihr den Spitznamen Boulder gibt und für die sie ihr Leben auf See hinter sich lässt. Gemeinsam ziehen sie nach Reykjavík, in ein kleines gelbes Haus am Rand der Stadt. Doch als Samsa nach zehn Jahren beschließt, ein Kind zu bekommen, gerät das fragile Gleichgewicht der Beziehung ins Wanken. Boulder zweifelt und willigt trotzdem ein, aus Angst, Samsa zu verlieren – und schon bald findet sie sich in einem Leben wieder, das sich völlig fremd anfühlt. Auch Samsa ist wie verwandelt. Und Boulder steht vor einer schwierigen Entscheidung: Was ist ihr wichtiger – Liebe oder Freiheit?
Mit poetischer Wucht und Schärfe erzählt Eva Baltasar von Begehren, Abhängigkeit und der Zumutung familiärer Nähe. Schonungslos legt sie die inneren Widersprüche ihrer Protagonistin frei und zeichnet das Porträt einer Einzelgängerin, die ihre Freiheit über alles stellt und sich gleichzeitig nach Zugehörigkeit sehnt. Ein intensiver und sinnlicher Roman, mit dem Baltasar sich als eine der herausragenden Stimmen der zeitgenössischen europäischen Literatur etabliert hat.
Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.
Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel – und bewahrt die Erinnerung an sie.
Barack Obama, The New Yorker, TIME Magazine, Vanity Fair, Publishers Weekly u. v. a. sind sich einig: eins der besten Bücher des Jahres 2024
Asya und ihr Freund Manu leben in einer Großstadt, weit weg von ihren Familien und Herkunftsländern. Wie viele junge Menschen bewegen sie sich zwischen Träumen und Provisorien, auf der Suche nach etwas, das sich nach Zuhause anfühlt. Während sie von einer Wohnungsbesichtigung zur nächsten ziehen, beobachtet Asya ihre Umgebung mit dem neugierigen Blick einer Anthropologin: im Park, in Cafés, in Gesprächen mit Freunden und Nachbarinnen. Mit ihrer Kamera fängt sie scheinbar banale Alltagsszenen ein, überzeugt, dass hinter den Routinen das eigentlich Wichtige verborgen liegt.
Gleichzeitig geht das Leben in der Ferne weiter: Eltern werden älter, Großeltern krank, Nichten und Neffen erwachsen – und sie können nur per Videocall daran teilhaben. Doch mit der Zeit entsteht in ihrem Umfeld etwas Eigenes. Zwischen Feierabenddrinks, gemeinsam vertrödelten Sonntagen und leisen Zweifeln erkennen Asya und Manu allmählich, was sie festhalten wollen und was sie loslassen müssen, um in der neuen Heimat Wurzeln zu schlagen und vielleicht so etwas wie Familie zu finden.
Mit einem liebevollen Blick auf ihre Figuren erzählt Ayşegül Savaş von der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Die Anthropologen ist ein kluger, feinsinniger Roman über das Glück im Dazwischen – und eine poetische Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir heute leben wollen.
Samuel Beckett hat nur einmal in seinem Leben über längere Zeit Tagebuch geführt, nämlich auf seiner großen Deutschlandreise von September 1936 bis April 1937, die ihn u. a. nach Hamburg, Berlin, Dresden und München führte. Die sechs umfangreichen Hefte fanden sich im Nachlass.
Es handelt sich bei den „Deutschen Tagebüchern“ um die letzten bedeutenden Texte des Autors, die noch unveröffentlicht sind. Sie geben Aufschluss über die Entwicklung von Becketts Ästhetik in dessen Auseinandersetzung mit Literatur und mit bildender Kunst. Aber auch über die Motive, die ihn zur Ausweichbewegung dieser Reise veranlassten. Historisch bedeutsam sind sie wegen des unbestechlichen Blicks, den der junge irische Autor als teilnehmender Beobachter auf das Deutschland der frühen Nazijahre wirft.
Den Auswirkungen der NS-Kulturpolitik begegnet Beckett bei der Besichtigung abgehängter Bilder in den Depots von Museen sowie im Gespräch mit Künstlern und Sammlerinnen. Detailgenaue Beobachtungen des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland durchziehen die gesamten Aufzeichnungen.
Der erste Band enthält die weltweit erste Veröffentlichung des mit deutschen Wörtern, Wendungen und Sätzen gespickten englischen Originals sowie die deutsche Übersetzung. Neben einem detaillierten, fortlaufenden Sachkommentar bietet Band zwei Einleitung und Nachbemerkungen der Herausgeber und der Übersetzerin, dazu Übersichten und Register, die als Werkzeuge die Tagebücher aufschlüsseln.
»Dieser Roman kratzt verkrustete Glaubenssätze über Mutterschaft auf und kommt einem persönlich sehr nah. Ich sehe jetzt klarer, wie ich selbst als Mutter – und als Tochter – sein will.« Mareike Fallwickl
Die Großmutter flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon. Die Mutter verlässt den Libanon für ein Leben in Deutschland. Die Tochter muss für eine Zukunft zurück nach Polen. Über eine Zeitspanne von siebzig Jahren hinweg erzählt Paola Lopez die mitreißende Familiengeschichte dreier Frauen, die sich ein freies Leben erkämpfen. Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern und Töchtern und die Flucht in die Welt.
Die Großmutter ist eine der ersten Chemikerinnen im Libanon. Die Mutter ist eine angesehene Medizinerin. Die Tochter ist Studentin der Informatik. Sie alle verbindet die Wissenschaft. Doch das Band zwischen den Generationen ist gerissen, Lucy spricht seit Jahren nicht mit ihrer Mutter. Bis plötzlich ein Klavier in ihre Wohnung geliefert wird. Der Steinway, auf dem Lucy als Kind spielen lernte. Sie hasst dieses Klavier. Es erinnert sie an alles, was sie hinter sich lassen wollte: den goldenen Käfig ihrer allzu behüteten Kindheit, die hohen Ansprüche ihrer Mutter und die fehlende Nähe. Als mit dem Klavier auch der polnische Geburtsname ihrer Großmutter auftaucht, setzt Lucy sich kurzentschlossen in den nächsten Zug nach Sopot, den einzigen Ort, den sie mit ihr verbindet. Sie muss die losen Fäden ihrer Familie zusammenführen, um ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.
»Drei Frauengenerationen in der Wissenschaft, eine kleine Weltreise durch das Jahrhundert – erschütternd und einfühlsam zugleich.« Alina Bronsky