Ein Sommer zwischen Plattenbau und Freibad. Während andere verreisen, teilen die zwölfjährige Henri und ihre beste Freundin Mo eine Tube Sonnenmilch und tauschen heimlich Blicke. Mit einer Erlaubnis für die Erwachsenenabteilung der Bücherei tragen sie stapelweise Bücher nach Hause, Mo liest Kafka, Henri liest Stephen King. Aus Nachmittagen in stiller Vertrautheit auf der Liegewiese oder dem Hochhausdach wird in den kommenden Sommern eine Liebe, die sie beide trägt, während anderes wankt und bricht. Denn Henris Vater macht ihnen Sorgen. Eigentlich ist er lustig und fürsorglich – er, der Swing tanzende Polizist, der morgens seine Depeche-Mode-Kassette hört und Henri durch die Haare wuschelt. Nun verhält er sich rätselhaft, verwüstet den eigenen Schrebergarten, irgendetwas hat ihn im Griff. Henri flieht in die Euphorie der ersten großen Liebe – und sie schreibt. Geschichten voller Geister, um Worte dafür zu finden, was mit der Familie passiert. Und um den Vater zu retten.
Palastplatte ist ein intensiver, kluger und zutiefst berührender Roman über die Liebe und die Geister, die niemand ruft und die einen trotzdem begleiten.
Fremde Welt Westberlin – und die Sehnsucht nach der Liebe und dem Leben
Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Von dieser Zerrissenheit erzählt Michael Wildenhain in seinem Roman so virtuos und episch, wie es nur einer kann, der dabei war.
Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben. »Das Ende vom Lied« erzählt von einem Westberlin jenseits der 68er Ereignisse, einer Stadt, wie es sie nie wieder geben wird, vom unstillbaren Durst nach der ungezähmten Realität und vom Licht, in dem wir träumen.