Warum kann sie so deutsch sein?
»Nachgemachte Deutsche« – so bezeichnet sich Tülins Mama nach über 50 Jahren in Deutschland. Auch Tülin, geboren in Berlin-Neukölln, steht von Kindheit an vor der Frage: Wie (viel) deutsch kann und muss ich sein? Jede Begegnung verschiebt die Antwort auf dieser Suche nach Identität. Tülin lebt im ständigen Spagat zwischen der Berlinerin mit Migrationshintergrund in Deutschland und dem Almanci-Mädchen in der Türkei. Mit Humor und feinem Gespür für Menschen erzählt sie von den Momenten, die sie prägten, stärkten oder auch verletzten – und ihren Blick schärften für Charaktere, Eigenheiten und Klischees. Ihre Verbeamtung (ziemlich deutsch!) rundet das Bild ab: Tülin verwandelt Stereotype in Figuren und begeistert damit die deutschen Zuschauer.
International ist Mariana Enriquez ein Star. Mutig, dunkel, politisch: Ihr Genre ist der literarische Horror. In diesem bereits hymnisch gefeierten Erzählband schreibt sie über die Frauen von Buenos Aires. Ein Gesicht verwest bei lebendigem Leibe. Tote verfolgen ihre Nachbar*innen. Frauen werden zu Vögeln. Es geht um den Horror des Alltags, die Gewalt, der Frauen und queere Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Und um die Kraft der Vorstellung, die sich widersetzen kann. Und sei es durch Erkundung der Finsternis.
«Selbst der Himmel über den Gebäuden schien ihr ein ganz anderer zu sein als in Krakau. Der Geruch war anders – eine Art von Parfüm? Die Abgase schienen andere Abgase zu sein.»
Die junge Psychologin Wanda ist nach Venedig gereist, um den seit Langem dort im Exil lebenden Wissenschaftler Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder geht es mehr noch um sein Leben? Zwischen ihnen, scheint es, steht ein Verdacht. Beide spielen nicht mit offenen Karten, und doch verbindet sie eine womöglich schicksalhafte Beziehung, die über das, was sie heute sind, hinausweist.
Mit seinem neuen Roman kehrt Matthias Nawrat zurück zum großen zeitgeschichtlichen Erzählen. Das glückliche Schicksal folgt zwei Generationen auf ihrem Weg durch die Systeme, führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu den Fragen, vor die das Menschsein uns ste
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Der Roman basiert auf einem sensationellen Fund, da kaum Theaterstücke jüdischer Autor:innen aus dieser Zeit überliefert sind.
»Ich bin ja schon sehr alt. Aber bis jetzt ist es ganz gut gelaufen.«
Mut, Zuversicht, Selbstvertrauen: Das zeichnet Marianne Koch aus, und ihre alleinerziehende Mutter hat es ihr vorgelebt. Ihren Vater, den jüdischen Arzt Rudolf Schindler, der emigrieren musste, lernt sie erst als Erwachsene kennen. Da hat ihre Filmkarriere, der zuliebe sie ihr Medizinstudium unterbrach, sie schon nach Hollywood geführt. Doch ihre Passion gilt der Medizin. Nach einem großen Umbruch, der Scheidung von dem Vater ihrer Söhne, setzt sie ihr Studium fort. Sie arbeitet als Internistin, bleibt zugleich in den Medien präsent. Nun gibt sie uns Einblicke in viele Episoden ihres so reichen, wechselvollen Lebens, das sie viele Jahre mit dem Schriftsteller Peter Hamm teilte. Marianne Koch schaut zurück, und das prägende Gefühl ist Dankbarkeit.