Annie Ernaux und Marc Marie begeben sich mit Bildern und Texten auf die Suche nach dem – tröstlich wandelbaren – Wesen ihrer Intimität
Sie sind entfernte Bekannte, und eines Abends gehen sie aus, er frisch getrennt, ihr steht eine Brustkrebs-OP bevor. Sie verbringen die Nacht miteinander, beginnen eine Affäre. Die Erkrankung verändert sie spürbar, aber das Begehren setzt sich mit einer Hartnäckigkeit durch, die sie beide überrascht. Morgens ist sie regelmäßig fasziniert vom Anblick der herumliegenden Kleidung, die sie sich am Vorabend vom Körper gerissen haben. Sie fängt an, diese Szenen zu fotografieren, wie Tatorte: seine Schnürstiefel, ihre Pumps, schwarze Unterwäsche – Stillleben nach dem Sex, Kompositionen aus Zufall und Leidenschaft.
Auf den Bildern enthält 14 dieser Fotografien, und Annie Ernaux und Marc Marie schreiben im Wechsel über ihre so dokumentierten Begegnungen, über Erinnerung und Wahrnehmung, über weibliche und männliche Körper, über Zeit und den Schmerz der Vergänglichkeit.
»Prallvoll mit Überlebenslust, Herzwärme und Witz.« Pieke Biermann
Nominiert für den Deutscher Buchpreis 2026 und den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026
Sie sind überall, wir sehen sie jeden Tag. Egal ob in Delhi, Tel Aviv, Buenos Aires, Istanbul oder Berlin, überall schwirren sie durch die Städte: Essenslieferanten. Tomer Gardi verbindet ihre Geschichten zu einem weltumspannenden Gegenwarts-Epos. »Liefern« erzählt von Rassismus und Ausbeutung, von Liebe, Familie und der großen Sehnsucht nach Verbundenheit. So gegenwärtig, so international, so politisch und leichtfüßig zugleich war lange kein deutscher Roman.
Der Roman entstand in Zusammenarbeit mit Anne Birkenhauer, die auch den Teil »Mimesis« aus dem Hebräischen übersetzt hat.
Filmon, der aus Eritrea nach Tel Aviv geflüchtet ist, arbeitet als Lieferant. Er will genug Geld sammeln, um seiner Frau und Tochter nach Berlin zu folgen. Sein Job ist immer in Gefahr, er hat keine Arbeitserlaubnis und fährt unter falschem Namen. Seine Frau und Tochter lernen Deutsch bei Nina im Bildungszentrum, die zu einem Austauschsemester nach Delhi reist, wo sie sich in den Argentinier Ramón verliebt. Der Erzähler fährt nach Istanbul, um nach einer Gaunerei bei einem Literaturpreis das Preisgeld zu verprassen. Und in Buenos Aires muss Ramóns Mutter mit der Abwesenheit ihres Sohnes fertig werden. »Liefern« ist eine literarische Weltreise in sechs Episoden und eine Feier der Erzählkunst, wie sie nur Tomer Gardi veranstalten kann: tiefgründig und humorvoll, mit politischer Sensibilität und literarischer Verve.