Eigentlich hatte Bruce W. Talamon Anwalt werden sollen, aber dann lockte ihn doch die Welt des Entertainments. Als junger afroamerikanischer Fotograf trieb sich Talamon, später erfolgreicher Still Photographer in Hollywood, in der quecksilbrigen Jazz- und R&B-Szene von Los Angeles herum und versuchte sich einen Namen zu machen als jemand, der mehr als nur die Schauseite der Stars einfängt. Sein Durchbruch gelang ihm mit einer Festanstellung als Fotograf beim renommierten Soul Magazine Anfang der Siebzigerjahre, als die Soul-, Funk- und R&B-Szene das breite Publikum und die Charts eroberte. Mit seiner Kamera fing er, immer ganz nah dran, einige der größten Stars der Szene ein – für offizielle Porträts, bei Aufnahmesessions im Studio, unterwegs im Tourbus, in der Garderobe, beim Chillen, beim Soundcheck und bei ihren oft spektakulären Auftritten. Seine Aufnahmen vermitteln den Groove einer Epoche, die bekannt wurde für ihren Glamour, coole Klamotten und ihre musikalische Experimentierfreude.
Als Henry R. Luce das Magazin Life 1936 gründete, lautete das Credo: „Das Leben sehen; die Welt sehen; große Ereignisse aus nächster Nähe erleben.“ Bereits die sechste Ausgabe widmete Life der Welt des Tanzes – nicht nur als Quell der Lebensfreude, sondern als Ausdruck dessen, was Menschen verbindet und Kulturen prägt.
Von Las Vegas bis zu den Filmstudios Hollywoods, von den Pariser Nachtclubs bis Woodstock, von den westlichen Provinzen Chinas bis zu den Tanzsälen Harlems: Let’s Dance zeichnet mit den Aufnahmen der Life-Fotografen die Entwicklung des Tanzes von den späten 1930er- bis in die frühen 1970er-Jahre nach und macht seine gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung sichtbar.
Mit über 200 größtenteils bislang unveröffentlichten Aufnahmen, die aus dem umfangreichen Life-Archiv ausgewählt und von den Originalnegativen gescannt wurden, lässt jede Seite von Let’s Dance eine prägende Ära, einen bedeutenden Tanzstil, eine herausragende Tänzerin oder einen herausragenden Tänzer, einen legendären Choreografen oder glamourösen Star lebendig werden – manchmal sogar alles in einem einzigen Bild. Zu sehen sind unter anderem Martha Graham, eine Pionierin des Modern Dance, die Ballettlegenden Rudolf Nureyev und Margot Fonteyn, sowie Fred Astaire, Sammy Davis Jr., Elvis Presley, der auf der Bühne die Hüften schwingt, und Brigitte Bardot, die bei Dreharbeiten in Spanien barfuß tanzt. Doch Let’s Dance zeigt nicht nur Profis und Stars, sondern auch ganz normale Leute, die ihre Freude am Tanz teilen: Paare, die in einem Supper Club in South Carolina das Tanzbein schwingen, Schülerinnen und Schüler in einem Ballettkurs in Suriname, indigene Tänzerinnen und Tänzer bei Auftritten in Indien, Griechenland, Senegal und Mexiko-Stadt, die coolen Disco-Kids der 1960er-Jahre, Square Dancer in Oklahoma, Debütantinnen und Princeton-Studierende, die bei der Homecoming-Feier ausgelassen feiern.
Neben sorgfältig kuratierten Fotografien aus dem Archiv enthält Let’s Dance auch originale Life-Cover und Magazinseiten sowie einen einführenden Essay und aufschlussreiche Bildtexte der Tanzkritikerin Lyndsey Winship, die den Aufnahmen einen lebendigen historischen Kontext geben. Mit über 250 Seiten ist Let’s Dance nicht nur eine Geschichte des Tanzes, sondern vor allem eine Hommage an die unbeschwerte Freude und befreiende Kraft des Tanzens –
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