»Ich also pflege mir, alle 4, 5 Jahre, ein fertiges ›Tagesnotizbuch‹ zu kaufen […] Format 11 mal 30; wo jeglicher Tag seine Seite hat; 34 Zeilen von 10 Zentimeter Länge. Aus der Dauer der Benützungszeit ergibt sich, daß auf jeden Tag durchschnittlich 6–8 Kurzzeilen entfallen; und das hier zuständige Gesetz lautet : je länger die Eintragung, desto wertloser der Tag.« (Arno Schmidt)
Nur eines dieser Tagesnotizbücher von Arno Schmidt ist überliefert und wird erstmals komplett veröffentlicht. Es umfasst mit den Jahren 1957 bis 1962 den Umzug der Schmidts von Darmstadt nach Bargfeld ebenso wie die Entstehung der Romane Die Gelehrtenrepublik und Kaff auch Mare Crisium sowie der Erzählungen aus Kühe in Halbtrauer. Literarische Arbeit, Lektüren, Korrespondenz, Finanzsorgen, der Ehe-Alltag und die Belastungen des Umzugs – alles findet sich, äußerst verknappt, im Tagebuch wieder.
Die Notizen werden durch einen umfangreichen Kommentar erschlossen, der die verzeichnete Korrespondenz erläutert, die Arbeitspensen so weit wie möglich aufschlüsselt und Bezüge zum Zeitgeschehen herstellt. Ergänzt wird das Buch durch eine umfangreiche Bildauswahl aus den Fotografien von Arno und Alice Schmidt aus Darmstadt, Bargfeld und von verschiedenen Ausflügen in jenen Jahren.
Samuel Beckett hat nur einmal in seinem Leben über längere Zeit Tagebuch geführt, nämlich auf seiner großen Deutschlandreise von September 1936 bis April 1937, die ihn u. a. nach Hamburg, Berlin, Dresden und München führte. Die sechs umfangreichen Hefte fanden sich im Nachlass.
Es handelt sich bei den „Deutschen Tagebüchern“ um die letzten bedeutenden Texte des Autors, die noch unveröffentlicht sind. Sie geben Aufschluss über die Entwicklung von Becketts Ästhetik in dessen Auseinandersetzung mit Literatur und mit bildender Kunst. Aber auch über die Motive, die ihn zur Ausweichbewegung dieser Reise veranlassten. Historisch bedeutsam sind sie wegen des unbestechlichen Blicks, den der junge irische Autor als teilnehmender Beobachter auf das Deutschland der frühen Nazijahre wirft.
Den Auswirkungen der NS-Kulturpolitik begegnet Beckett bei der Besichtigung abgehängter Bilder in den Depots von Museen sowie im Gespräch mit Künstlern und Sammlerinnen. Detailgenaue Beobachtungen des Alltags im nationalsozialistischen Deutschland durchziehen die gesamten Aufzeichnungen.
Der erste Band enthält die weltweit erste Veröffentlichung des mit deutschen Wörtern, Wendungen und Sätzen gespickten englischen Originals sowie die deutsche Übersetzung. Neben einem detaillierten, fortlaufenden Sachkommentar bietet Band zwei Einleitung und Nachbemerkungen der Herausgeber und der Übersetzerin, dazu Übersichten und Register, die als Werkzeuge die Tagebücher aufschlüsseln.
Thomas Manns lebenslanges Ringen mit Liebe, Leben und Literatur
Er ist der literarische Magier des 20. Jahrhunderts: Nobelpreisträger und gefeiertes Genie und zugleich so unglücklich, wie man nur sein kann. Er liebt und darf nicht lieben, die Vorstellungen seiner Zeit stehen ihm im Weg. Was für ein Antrieb zu großer Literatur – und was für ein leidvolles Leben.
Seit seinem frühen Welterfolg mit den ›Buddenbrooks‹ und zwei Jahrzehnte später mit dem ›Zauberberg‹ öffnen sich ihm alle Türen, bis hin zu der im Weißen Haus. Keine deutsche Stimme kämpft so hörbar gegen Hitler wie seine, kein anderer häuft Ehrungen auf sich wie er. Seine Frau Katia und seine sechs Kinder umringen ihn dabei wie eine Festung. Doch der Abgrund ist immer nur einen Schritt entfernt.
»Was für ein Schatz an Form, Schönheit und weiser Melancholie!« Daniel Kehlmann
Mascha Kaléko ist eine leuchtende Ausnahmeerscheinung in der deutschen Literatur. Niemand verkörpert das Berlin der Weimarer Republik zwischen Schreibmaschinengrau, hellen Kinoreklamen und nicht enden wollenden Nächten im Romanischen Café so sehr wie die melancholische Großstadtdichterin mit ihrem sprühenden Witz. Auch nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten 1938 besang sie diese verlorene Heimat in Versen vom Emigrantenleben in New York, Jerusalem und anderswo. Zu ihrem fünfzigsten Todestag wirft Daniel Kehlmann mit dieser Auswahl einen persönlichen Blick auf das Werk seiner Schriftstellerkollegin – auf die »Großstadtlerche«, die glücklich und unglücklich Liebende, die berlinkranke Kosmopolitin.
Humboldts unveröffentlichtes Buch: ein Gründungsdokument der Ozeanologie
Eine der mächtigsten Meeresströmungen der Erde, der Humboldt-Strom, ist nach ihm benannt: Alexander von Humboldt, Visionär und Weltbürger. Kaum ein Forscher hat unser Verständnis der globalen Zusammenhänge der Natur so nachhaltig geprägt. Humboldt beschäftigte sich in seinen letzten Lebensjahren intensiv mit dem Phänomen der Strömungen. Eine eigenständige Publikation zu diesem Thema war geplant – erschienen ist sie nie.
Im Jahr 1853 veröffentlicht Alexander von Humboldt im Verlag Cotta die »Kleineren Schriften«. Die Textsammlung ist eine thematische Auslese des Überdauernden, das er auf mehreren Forschungsfeldern geschaffen hatte. Doch gelingt ihm zu Lebzeiten nur die Herausgabe des ersten Bandes. Der zweite Band, für den er jahrelang Daten zusammenträgt, denkt seine Forschung weiter und wirft eine noch nie dagewesene Perspektive auf die Weltmeere und ihre Strömungen. Insbesondere der bislang unveröffentlichte Text »Über Strömungen« ist ein Zeugnis von Humboldts Innovationskraft; er überträgt die Idee einer globalen Ökologie auf den Lebensraum der Ozeane. Die Herausgeber Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich haben diesen zweiten Band der »Kleineren Schriften« aus Archivmaterial rekonstruiert, teils aus Druckfahnen, teils aus Handschriften – ein Buch von höchstem Sensationswert.
Ein Sensationsfund: Das unveröffentlichte Buch von Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt: Weltbürger und Entdecker, internationaler Wissenschaftsstar und begnadeter Stilist: Noch zu Lebzeiten bereitet Alexander von Humboldt sein Vermächtnis vor – eine Publikation, die bedeutende Texte über die Wechselwirkungen der Natur mit Forschungen höchster Innovationskraft auf dem Gebiet der Ozeanologie verbindet. Doch wird der zweite Band dieser Ausgabe nie publiziert. Zum ersten Mal seit 1853 liegen nun alle Texte in zwei Bänden vor, hervorragend ediert und prachtvoll ausgestattet. Alexander von Humboldt gilt als Visionär und Vordenker für das 21. Jahrhundert. Sein Blick für globale Gesamtzusammenhänge ist einzigartig; seine Ideen, Erfindungen und Forschungen verbanden Kontinente und sprengten die Grenzen der Wissenschaft. Im Jahr 1853 erscheinen bei Cotta die „Kleineren Schriften“. Alexander von Humboldt arrangiert darin bedeutende Texte seines Lebenswerks neu. Ausgehend von der Prämisse, dass die Natur nur als Einheit aller sie umgebender Zusammenhänge verstanden werden kann, erforscht er Naturphänomene wissenschaftlich, erkundet sie durch Expeditionen und versammelt die Lebenswelten und Mythen, die sie umgeben. So ist dieser Band beides zugleich: Das Vermächtnis eines Universalgenies, der spannende Bericht eines Abenteurers und ein universelles Beispiel für die Sprengkraft ökologischer Forschung.
Zum ersten Mal seit der Erstpublikation 1853 im Verlag Cotta werden die „Kleineren Schriften“ nun neu publiziert, ediert von den internationalen Humboldt-Experten Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich.