Es ist ein kalter Januarmorgen, an dem Birdie Keller die Nachricht erhält, auf die sie 18 Jahre gewartet hat. Der Mann, der ihre Schwester ermordet hat, wird aus dem Gefängnis entlassen. Mit einem Plan – und einer Waffe – verlässt Birdie ihr Zuhause und ihre Familie, um den Mann zu suchen, der für sie alles andere als ein Fremder ist. Von London über Cornwall folgt sie ihm bis zurück in ihre Heimat Devon – jene Landschaft, in der Erinnerungen Gewissheiten einstürzen lassen und die Vergangenheit die Gegenwart niemals loslässt.
Am Hafen von Le Havre wird ein Mann tot aufgefunden. In der Jackentasche ein Kinoticket und auf dessen Rückseite ihre Telefonnummer. Sie erhält einen Anruf des ermittelnden Polizisten. Nur: Was soll sie – Synchronsprecherin in Paris, Mutter und Ehefrau – mit diesem ermordeten Mann in der 200 Kilometer entfernten Stadt zu tun haben?
Sie reist sofort nach Le Havre. Verlangt, die Leiche zu sehen. Angelangt in der Stadt ihrer Kindheit, begegnet sie unwillkürlich den Bildern ihrer Vergangenheit. Der Hafenkai, das Lichtspielhaus, jeder Ort trägt Spuren vergessener Episoden. Und immer mehr drängt sich ihr die Erinnerung an ihre erste verlorene Liebe auf. Was, wenn der Tote diese Jugendliebe ist, die damals von heute auf morgen wie vom Erdboden verschwunden war?
Ein mysteriöser Tod, eine Spurensuche an den Orten der Jugend und eine Hafenstadt, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschwimmen. In ihrem literarischen psychologischen Thriller Brandung verwandelt Maylis de Kerangal einen Kriminalfall in einen Schauplatz innerlichen Aufruhrs und biografischer Erkundungen.
Was ist Liebe? Sie ist der goldene Faden, der unsere Herzen miteinander verbindet.
Han Kang stellt in ihrem Werk fundamentale Fragen mit der Klarheit eines Menschen, der noch nicht verlernt hat, das Leben auf diese grundsätzliche Art zu betrachten. Warum ist die Welt durchzogen von Gewalt? Wie kann es sein, dass sie dabei so schön ist? Wenn Menschen töten können, wie können sie zugleich ihr Leben für andere geben? Die Nobelpreisträgerin setzt sich der Gegenwart der Geister menschlicher Gewalt aus, um etwas jenseits dieser Gewalt zu finden: etwas Sanftes, Helles, das uns miteinander verbindet.
In einem Gedicht, das sie als junges Mädchen schrieb und viele Jahre später in einem Schuhkarton wiederfand, stellt sie sich diese Verbindung als einen »goldenen Faden« vor. Dieser Faden, schreibt sie, ist nichts anderes als die Literatur selbst: eine Spra
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Entlang der Kastanienallee verbergen sich hinter hohen Gartenzäunen elegante Villen aus dem Fin de Siécle. Hier wohnt die Oberschicht und all jene, die sich gerne dazu zählen. Ärzte und Anwältinnen, Industrielle, aber auch Zugezogene, denen der Anschluss an die erlesene Nachbarschaft auch nach Jahren noch nicht gelingen mag. Doch hinter der makellosen Fassade steht bei Weitem nicht alles zum Besten.
Ein Anwalt in finanziellen Nöten, ein Psychiater, der am Abgrund wandelt, ein Playboy, der auf Kosten seiner Frau lebt, ein Erbe, der unguten Neigungen nachgeht, ein Trafikant, der Frau und Tochter hasst oder eine arbeitslose Historikerin auf der dringenden Suche nach einem Restitutionsfall.
Sie alle sind Figuren in einem Spiel, das sich immer gefährlicher zuspitzt. Ein wohlhabendes Ehepaar in den besten Jahren beobachtet und kommentiert die Verwerfungen in der Nachbarschaft mit fatalistischem Humor. Währenddessen nehmen die Frauen in der Geschichte nach und nach ihr belangloses Schicksal selbst in die Hand.
Das erste Mal hat Yrsa nicht die Absicht zu töten. Aber der Cambridge-Professor, der ihr gegenübersitzt, hat die Forschungsergebnisse ihrer Freundin gestohlen. Als sie die Biene in seine Sanpellegrino-Flasche schnippt, denkt sie, dass er einen schmerzhaften Stich abbekommen wird. Dann ist er tot. Und Yrsa, die – seien wir ehrlich – schon seit einiger Zeit gelangweilt ist, fühlt sich endlich wieder lebendig.
Der aufregende Debütroman von Imani Thompson verbindet Campus-Roman mit Thriller-Elementen und Humor. Eine unterhaltsame und wunderbar ins Absurde getriebene Geschichte über feministische Wut, Ungerechtigkeit, Begierde und Rache. Und über das Schwarzsein in einer sehr, sehr weißen Welt.
«Umwerfend – in jeder Hinsicht. Düster, spannend und unbestreitbar heiß, wird dieser Roman Ihnen den Atem rauben.» Glamour
Georg-Büchner-Preis 2025
»Frau Ministerin, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Sohn.«
Ein radikal gegenwärtiger Roman über die abgründigen Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Müttern. Mit einer Sprachkraft, die Staunen macht, erzählt die preisgekrönte Schriftstellerin Ursula Krechel von symbiotischer Mutterschaft, von existenziell gefährdeten Frauen und von politischer Gewalt.
Mit seiner Mutter sprechen zu müssen, ist für den Sohn von Eva Patarak ein Staatsverbrechen. Für Eva hingegen ist es ein Verbrechen, dass ihr Sohn und sie offenbar ausspioniert werden. Welches Ziel verfolgt die Lateinlehrerin Silke Aschauer mit ihrer Observation? Will sie etwa einen Roman schreiben? Bieten die grausamen Familienverhältnisse der Antike, die sie für den Unterricht aufbereitet, nicht ausreichend Stoff für Faszination? Fest steht nur: Silke hält längst nicht alle Fäden in der Hand, denn ihr eigener Körper hat einen blutigen Aufstand gegen sie angezettelt, der sie in die Rolle der Patientin zwingt. In ihrer Ohnmacht wenden sich beide Frauen an die Justizministerin – ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie die Staatsvertreterin damit bringen. Ursula Krechel schreibt in ihrem hoch politischen und stilistisch herausragenden Roman eine Kulturgeschichte aller Frauen – von einer römischen Kaisermutter zu einer Studienrätin, von einer Verkäuferin in einem kleinen Kräuterimperium zu einer Ministerin. Es ist die Geschichte ihres Widerstands gegen die Gewalt, die ihnen physisch und psychisch zugemutet wird.
»Niemand erzählt so formbewusst wie Ursula Krechel.« Andreas Platthaus, FAZ
»Mit ihr zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine Autorin aus, die in ihren Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen, Romanen und Essays den Verheerungen der deutschen Geschichte und Verhärtungen der Gegenwart die Kraft ihrer Literatur entgegensetzt. […] Das Thema der Selbstbehauptung, Wiederentdeckung und Fortentwicklung weiblicher Autorschaft zieht sich als roter Faden durch ihr gesamtes Schaffen.« Jury des Georg-Büchner-Preises
»Dieser Roman kratzt verkrustete Glaubenssätze über Mutterschaft auf und kommt einem persönlich sehr nah. Ich sehe jetzt klarer, wie ich selbst als Mutter – und als Tochter – sein will.« Mareike Fallwickl
Die Großmutter flieht im Zweiten Weltkrieg aus Polen in den Libanon. Die Mutter verlässt den Libanon für ein Leben in Deutschland. Die Tochter muss für eine Zukunft zurück nach Polen. Über eine Zeitspanne von siebzig Jahren hinweg erzählt Paola Lopez die mitreißende Familiengeschichte dreier Frauen, die sich ein freies Leben erkämpfen. Ein feinfühliger Roman über die komplizierte Liebe zwischen Müttern und Töchtern und die Flucht in die Welt.
Die Großmutter ist eine der ersten Chemikerinnen im Libanon. Die Mutter ist eine angesehene Medizinerin. Die Tochter ist Studentin der Informatik. Sie alle verbindet die Wissenschaft. Doch das Band zwischen den Generationen ist gerissen, Lucy spricht seit Jahren nicht mit ihrer Mutter. Bis plötzlich ein Klavier in ihre Wohnung geliefert wird. Der Steinway, auf dem Lucy als Kind spielen lernte. Sie hasst dieses Klavier. Es erinnert sie an alles, was sie hinter sich lassen wollte: den goldenen Käfig ihrer allzu behüteten Kindheit, die hohen Ansprüche ihrer Mutter und die fehlende Nähe. Als mit dem Klavier auch der polnische Geburtsname ihrer Großmutter auftaucht, setzt Lucy sich kurzentschlossen in den nächsten Zug nach Sopot, den einzigen Ort, den sie mit ihr verbindet. Sie muss die losen Fäden ihrer Familie zusammenführen, um ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.
»Drei Frauengenerationen in der Wissenschaft, eine kleine Weltreise durch das Jahrhundert – erschütternd und einfühlsam zugleich.« Alina Bronsky