»Hochpoetisch fragt Sinno, aus welchem Stoff die Realität ist.« Culture Livres
Zwei Frauen auf einem Roadtrip durch Mexiko: Die Ich-Erzählerin Neige und ihre spanische Freundin Marga, beide Anfang zwanzig, reisen als Backpackerinnen in Ledersandalen, auf der Suche nach einer besseren Welt. In Chiapas wollen sie in dem Ort La Realidad den legendären Subcomandante Marcos treffen und Kontakt zu den Zapatistinnen bekommen.
Nach der Missbrauchs-Erfahrung, die sie in ›Trauriger Tiger‹ beschrieben hat, ist Neige Sinno nun auf der Suche nach einem neuen Selbstgefühl. Sie findet es bei den Zapatistinnen. Mexiko wird ihre Wahlheimat, dort gründet sie ihre eigene Familie.
In ihrer glasklaren, messerscharfen Sprache schreibt Neige Sinno über Reiseerfahrungen, Frauensolidarität und neue Wege, die sich unerwartet auftun.
«Mütter prägen uns, auch wenn wir es nicht wollen, sie nisten sich in unseren Köpfen und Herzen ein, flüstern uns zu, schimpfen, trösten, tun es auch noch, wenn sie verstorben sind, tun es selbst dann, wenn wir sie nicht oder kaum kannten. Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns», schreibt Lena Gorelik.
Alle meine Mütter erzählt von dieser besonderen, oft lebenslang komplexen Beziehung und ihren Facetten, erzählt davon, welche Mütter wir selbst zu sein versuchen, wie wir scheitern, zweifeln, stolpern und welche Ängste uns begleiten, was uns bindet und prägt, aber auch, was uns abhält, was es heißt, ungewollt Mutter oder nicht Mutter zu sein, ein Kind anzunehmen, zu verlieren oder nicht loslassen zu können.
Tiefste Liebe, Zweifel, ganz verschiedene Formen von Glück – i
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Ein Mann telefoniert mit seiner Vergangenheit
Vidars Leben ist aus den Fugen geraten. Nach einem gewalttätigen Vorfall in der Schule wird er vom Lehrdienst suspendiert. Als er zu Hause zufällig die Telefonnummer des alten Sommerhauses der Familie findet, wählt Vidar aus einer Laune heraus die Nummer. Es meldet sich sein Vater, der längst tot ist. Bald versteht Vidar: Am anderen Ende der Leitung ist immer der 17. Juni 1986, ein Tag aus seiner Kindheit. Es öffnet sich eine Falltür in die Vergangenheit. Anruf für Anruf versucht Vidar, jeden Schritt seiner Familie an diesem Tag nachzuvollziehen. Er überschreitet eine Grenze nach der anderen. Und während sich der Tag seiner Kindheit langsam auflöst, zieht sich die Schlinge in der Gegenwart immer enger zu.