Ein berührendes Debüt über eine unbarmherzige Krankheit und ihre tragikomischen Momente
Sie isst wieder. Das war mal anders. Aufgewachsen in Armut, alleine mit ihrer zwanghaft dünnen Mutter, die aus der Ukraine nach Berlin migrierte, schien ihre Zukunft vorprogrammiert. Jetzt, mit Ende zwanzig, hat sie es halbwegs im Griff. Sie joggt viel, ja, zählt jede Kalorie, okay, aber sie führt ihrem Körper morgens, mittags und abends – fast – immer Nahrung zu. Auch wenn sie jeden Cent abwägt, den die Lebensmittel und ihre Zubereitung sie kosten. Nur noch ganz selten erliegt sie ihren alten Gewohnheiten, zu viel zu essen und sich anschließend zu übergeben. Es bleibt dennoch ein Fortschritt. Und dann ist da ein Date, das Hoffnung auf ein besseres Leben gibt, darauf, endgültig aus dem Teufelskreis auszubrechen. Oder doch nicht?
In Halbe Portion erzählt Elisabeth Pape eine ganz persönliche Geschichte über Essstörungen, das Aufwachsen in Armut und die damit einhergehenden Zwänge. Der Roman zeigt, warum es für Betroffene so schwer ist, mit erlernten Strukturen zu brechen und einen gesunden Umgang mit Essen und Geld zu finden. Und er spürt der Frage nach, wie uns Familie trägt, aber auch erdrückt.
Marcin wächst auf in prekären Verhältnissen: Seine Mutter floh in den 1980ern aus Polen nach Deutschland, um ihn, ihr zweites Kind, hier großzuziehen. Sie arbeitet hart als Altenpflegerin, sie trinkt zu viel, und irgendwann sieht sie in ihrem Sohn nur noch den Antagonisten. Währenddessen versucht Marcin, mit Videospielen, Nu Metal und Gedichten herauszufinden, wer er ist und hier in Deutschland sein kann. In dieser Spannung leben die beiden mit- und gegeneinander.
Erst spät im Leben – die alternde Mutter ist schwer krank, und Marcin pflegt sie – offenbart sich die Familiengeschichte in Gänze: eine Lebenserzählung zwischen Anekdote und Abgrund. Der Krieg ist nicht vorbei. Kein Krieg ist je vorbei.
2023 fand Martin Piekar mit einem Auszug aus diesem Roman beim Bachmann-Preis in Klagenfurt begeistertes Echo; er wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis 202
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Über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben
Eine Frau kämpft um ihr Erbe – und um das ihrer jüdischen Familie
Altes Zeug, im besten Fall ein Erinnerungsstück – mehr erwartet Amira nicht, als sie die Tür zum Lagerraum ihres verstorbenen Großvaters in Berlin-Moabit aufstößt. Aber dann steht sie vor der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubten Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie. »WTF!«, denkt Amira und macht erst mal eine Insta-Story. Und jetzt? Soll Amira die Kunstwerke einem Museum schenken oder an einen Oligarchen verkaufen? Darf sie sie einfach behalten? Und können alle, die ihr da reinquatschen wollen, bitte mal still sein! Als Zweifel aufkommen, ob die Sammlung auf legalem Weg zu ihrem Großvater zurückgelangte, muss Amira sich plötzlich rechtfertigen. Ein atemlos erzählter, messerscharf beobachteter Roman über eine junge Frau, die einen Weg finden muss durch das Chaos (hebr. ›Balagan‹
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Im April 2022 erleidet Julia Decks Mutter Ann einen Schlaganfall. Den Ärzten zufolge sind ihre Überlebenschancen verschwindend gering. Doch die Patientin trotzt der Diagnose. Für Mutter und Tochter beginnt ein langer Weg durch das Labyrinth der Pflegeeinrichtungen, der sie mit einem System konfrontiert, das nicht mehr funktioniert. Gleichzeitig geht Julia Deck den blinden Flecken in der Erzählung der eigenen Familiengeschichte nach und begibt sich auf eine Spurensuche. Ihre Mutter wird in einer Arbeiterfamilie groß, in der Bücher keinen Platz haben, doch gerade die Begeisterung für Literatur und ihre Wissbegierde bieten der jungen Ann die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. Klar, lakonisch und liebevoll zugleich zeichnet Julia Deck das Bild einer Frau, die nach Selbstbestimmung strebt, und erzählt einfühlsam von der so komplexen wie absoluten Liebe zwischen Mutter und Tochter.
Ähnliche Bücher wie Die Wahrheit über Ann«Im Mai 1991 sah ich die Mikkola-Schwestern zum ersten Mal. Drei Schwestern, die aussahen wie Brüder und sofort kampfbereit waren, wenn jemand ihre Topffrisuren, ihre schmutzigen Sneaker oder ihre Jogginghosen kommentierte. Ich konnte meinen Blick nicht von ihnen losreißen.»
Für Jonas ändert sich alles, als Ina, Evelyn und Anastasia in seine Nachbarschaft ziehen. Ihre Mutter kommt aus Tunesien, wer ihr Vater ist, weiß niemand. Die ernsthafte Ina, die verträumte Evelyn und die chaotische Anastasia faszinieren den Erzähler, nichts will er mehr, als in ihrer Nähe zu sein. Ihm wird klar, dass die Schwestern mit seiner Familie und der Vergangenheit seines Vaters eng verflochten sind. Über dreißig Jahre kreuzen sich ihre Leben immer wieder, in Tunesien, Schweden, den USA, sie erleben Liebesgeschichten und Lebenskrisen. Vor allem aber verbindet sie ein Fluch: dass
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Eine Familie, eingeholt von Vergangenheit und Gegenwart
Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt ›Dschinns‹ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.
Als er im Sterben lag, sagte Paul Auster seiner Frau, er wolle ein Geist werden. Und das ist er für Siri Hustvedt geworden: eine allzeit spürbare Präsenz, schmerzlich und tröstlich zugleich. Sie trägt seine Jacke, sie meint seine Zigarillos im Haus zu riechen, sie liest seine Bücher von Neuem. Und zum ersten Mal seit langer Zeit liest sie ihre eigenen Liebesbriefe, vom Beginn einer gemeinsamen Geschichte, die 43 Jahre währen sollte.
Mit ihrem beispiellosen Trauer-, Gedächtnis- und Liebesbuch nähert sie sich dem unmöglichen Wunsch, Paul zu neuem Leben zu erwecken. Und Paul selbst kommt zu Wort, mit Briefen, die er für den Monate vor seinem Tod geborenen Enkel Miles hinterlassen hat.
In diesem großen Werk der Erinnerung werden Fragen aufgeworfen, die alle Menschen angehen; es lässt eine einzigartige Liebes- und Lebensgemeinschaft wiedererstehen: die des legendä
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Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.
Iryna Fingerova erzähl
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«Selbst der Himmel über den Gebäuden schien ihr ein ganz anderer zu sein als in Krakau. Der Geruch war anders – eine Art von Parfüm? Die Abgase schienen andere Abgase zu sein.»
Die junge Psychologin Wanda ist nach Venedig gereist, um den seit Langem dort im Exil lebenden Wissenschaftler Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder geht es mehr noch um sein Leben? Zwischen ihnen, scheint es, steht ein Verdacht. Beide spielen nicht mit offenen Karten, und doch verbindet sie eine womöglich schicksalhafte Beziehung, die über das, was sie heute sind, hinausweist.
Mit seinem neuen Roman kehrt Matthias Nawrat zurück zum großen zeitgeschichtlichen Erzählen. Das glückliche Schicksal folgt zwei Generationen auf ihrem Weg durch die Systeme, führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu den Fragen, vor die das Menschsein uns ste
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Als Erika mit ihrem Mann Jan am letzten Abend des gemeinsamen Italienurlaubs in einem Restaurant in Triest sitzt und sich fragt, warum er ihr seit Jahren jegliche körperliche Nähe verweigert, eröffnet ihr Jan, dass er seit anderthalb Jahren ein Verhältnis mit einer anderen Frau hat. Dieses Geständnis trifft Erika völlig unvorbereitet, und so bricht eine ganze Welt für sie zusammen. Doch nur vorübergehend – schon bald regen sich in ihr vor allem Fragen. Welche Möglichkeiten hat eine Frau in der Lebensmitte nach einer langjährigen Ehe? Und ist ihr drängender Wunsch nach Begehren und Nähe in diesem fortgeschrittenen Alter etwa besorgniserregend? Mit Offenheit und Tiefgang schreibt Wencke Mühleisen nuanciert und lebensklug über eine Frau, die herausfindet, dass man nie zu alt ist, um die Sache mit der Liebe noch einmal anzupacken.