»Vaterbücher gibt es viele, und doch fügt Hans-Joachim Gögl etwas Neues hinzu, überraschend und betörend.« Ilija Trojanow
Wer lebt besser, schöner? Zeitlebens sind sich ein Vater und ein Sohn darüber nicht einig. Als der Vater stirbt, probiert der Sohn von nun an montags, mittwochs und freitags das Vaterleben aus. Dabei beginnt sich sein eigenes Leben zu verwandeln. Eine einzigartige Geschichte über Nähe und Fremdheit, so feinfühlig wie humorvoll erzählt.
Dieser Vater weiß ganz genau, wie man richtig lebt. Er ist der Meister des perfekt dosierten Mittelmaßes: lange Spaziergänge, frei verfügbare Zeit, Gelächter im Kreis der Kollegen. Das Leben seines Sohnes, der eine Designagentur leitet, missbilligt er. Zu fremdgesteuert, zu ehrgeizig, zu eilig. Der aber will die Welt nicht nur hinterfragen, sondern auch verbessern. Als der Vater stirbt, kommen dem Sohn Zweifel. Führt die Lebenskunst des Vaters vielleicht doch zu einem glücklicheren Leben? Er beschließt, es auszuprobieren, und schlüpft von nun an fünf Wochen lang in die Rolle seines Vaters. Hans-Joachim Gögl ist ein spielerisch leichter und tiefgründiger Debütroman gelungen.
Verkin ist um die siebzig, Türkin und Armenierin, Kosmopolitin, Unternehmerin, Politikerin. David ist Mitte vierzig, ein Schriftsteller aus Berlin, aufgewachsen am Rhein. Die beiden spazieren durch Istanbul, reisen quer durch Anatolien, an die lykische Küste, zum Vansee nahe der iranischen Grenze. Verkin erzählt von ihrer Kindheit am Bosporus, von ihren Großmüttern, die 1915 den Genozid überlebten. Vom Vater, der den größten Elektrokonzern der Türkei aufbaute. Von Schweizer Internatsjahren, Paris 1968 und lukrativen DDR-Geschäften im geteilten Berlin. Von berühmten New Yorker Künstlerkreisen in den siebziger Jahren, von ihren Ehemännern, darunter ein Deutscher. Von einem Unfall, der sie auf eine zehn Jahre dauernde Odyssee schickte. Von ihrem Kampf für die armenische Sache und ihrer politischen Arbeit in der AKP. Von einem Land, von einem Leben voller Widersprüche.
Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater bei einem Autounfall ums Leben kam. Seither hat sie ein turbulentes und reiches Leben führen dürfen, doch bleiben dieser frühe Verlust und diese väterliche Leerstelle stets präsent. Ohne Scheu, voller Fragen und immer neugierig macht sie sich in diesem Buch auf die Suche nach dem Unfallverursacher sowie dessen Leben mit der Schuld und erzählt eindringlich von den sich unentwegt wandelnden Gefühlen einer Tochter, Autorin, Liebenden.
Eine große literarische Wiederentdeckung
Die kalten Nächte der Kindheit erzählt vom Heranwachsen einer Frau, von ihrem Begehren, ihren Träumen, ihrer Widerständigkeit. Und wirkt darin heute so aktuell wie damals.
»1949. In einer Provinzstadt in Anatolien mit 4000 Einwohnern lerne ich die Welt sehen. Bin 6 Jahre alt. … Ich empfinde die maßlose Größe der Welt und weiß, dass ich fort und weit weg gehen werde.« So schreibt Tezer Özlü 1981 an den Deutschen Akademischen Austauschdienst über das prägende Gefühl ihrer Kindheit.
Erwachsen geworden, wird sie nach Berlin, Paris und Zürich reisen, fort und weit weg von der Türkei und den »Menschen in Uniform«, dem lauernden Wahnsinn. Sie tauscht die heimischen Obstgärten und Klassenzimmer der Nonnenschule ein gegen die Straßen und Cafés europäischer Hauptstädte – und gegen das Schreiben. Um eine Welt zu erfinden, die ihr entspricht. Indes wird sie über Jahre in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Doch selbst das kann ihren Willen nicht brechen.
Béla erhält einen überraschenden Anruf: Das Haus an der Zederstraße steht zum Verkauf. Dreißig Jahre ist es her, dass er dort mit Simone, Serdar und Kim in einer WG gewohnt hat. Seither sind sie alle in unterschiedliche Richtungen gegangen. Ist es eine gute Idee, jetzt zu viert das Haus ihrer Aufbruchsjahre zu kaufen? So gesetzt wollte Béla eigentlich gar nie werden. Wenn er nicht in den Spiegel schaut, hält er sich immer noch für jung. Aber wirklich jung ist nur seine Freundin Kaja, die gerade festgestellt hat, dass sie schwanger ist.
Ein hoch amüsanter Roman über die Frage, wie sehr man sich selbst treu bleiben kann und will.
Als Elli Hajek sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht, erinnert sie sich an eine Figur, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren – doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen.
Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht. Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend ...
»Ich freue mich sehr auf Wildboden von Constantin Lieb! Endlich wird die wilde Liebesgeschichte von Ernst Ludwig Kirchner und Erna Schilling neu erzählt.« Florian Illies
1936, Frauenkirch, inmitten der Schweizer Alpen, unweit von Davos: Umgeben von majestätischen Bergen und wortkargen Bauern führen Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner ein Leben in enger Verbundenheit. Dass die politische Situation in Deutschland immer dunklere Schatten wirft und ihre Existenz auf dem Wildboden zu zerstören droht, wird vor allem für Erna zur fast unerträglichen Zerreißprobe. Trotz aller Anstrengungen, sich gegen die äußere Gefahr sowie die inneren Dämonen und die Morphiumsucht ihres Partners zu stemmen, kann sie die Tragödie nicht verhindern: Als sie mit Kirchner den Menschen, dem sie sich bedingungslos verbunden fühlt, endgültig verliert, muss sie ihr Leben radikal überdenken und selbstbestimmt um die eigene Zuversicht und Zukunft kämpfen.
Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise verwebend, erzählt Constantin Lieb so eindringlich wie hellsichtig, wie aus schmerzhaftem Verlust beeindruckende menschliche Stärke erwachsen kann, und wie die lebenslange Sehnsucht nach Halt unser Menschsein zu allen Zeiten zutiefst berührt.