»Was immer Alexandra Stahl schreibend unter die Lupe nimmt, entfaltet eine eigentümliche Schönheit. Ihr Ton verwandelt alles in trostreiche, sehr lustige Sätze.« (Katja Oskamp)
Frangfodd is schlimmer als Tschikago! Mit dieser Warnung des Großvaters, der fast Amerikaner geworden wäre, aber doch Elektriker in Unterfranken blieb, wächst die Ich-Erzählerin auf. Ihre Großmutter hat es mit Katzen und Puppen, ihr Großvater hält sich an Steckdosen und Kabel. Auch wenn die beiden zanken wie Laurel und Hardy – sie verbindet diese eine Art von Liebe, die siebenundfünfzig Jahre hält.
Als der Großvater stirbt, beginnt die Erzählerin als Freiwillige in einem Berliner Seniorenheim – ohne zu ahnen, wie sehr ihre alte und ihre neue Welt zusammengehören. Frau Bellmann, die Wasserratte vom Werbellinsee. Herr Uhlig, der Träumer, der Schach mit
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Ein kleines Dorf in Bayern, Ende der 1950er Jahre: Ein Kind kommt zur Welt aus einer Verbindung, die hier niemand für möglich gehalten hätte. Die Mutter ist Schlesierin und gehört zu den »Heimatvertriebenen«, die sich ein Jahrzehnt zuvor im Ort niedergelassen haben. Der Vater ist ein Medizinstudent aus Syrien, der ins Dorf kommt, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen. Zum Zeitpunkt des Kennenlernens hatten sie keine gemeinsame Sprache, und ihr gegenseitiges Sprechen blieb ein Leben lang brüchig. So wächst das Kind in einer Atmosphäre des Schweigens auf, sucht nach einem Schlupfwinkel für die eigene Existenz und findet ihn in der Literatur.
Schlupfwinkel beschreibt den Werdegang eines Autors, der zwar zu einer eigenen Sprache findet und damit Erfolge feiert, doch im Leben ein Verlorener bleibt. Es ist gleichzeitig ein Versuch, die Geschichte der Eltern aus der Distanz heraus zu verstehen und den Momenten nachzuspüren, wo sie vielleicht eine Chance gehabt hätten, eine ausgeglichene Familie zu werden. Und schließlich ist es eine Geschichte von Flucht und möglichem Ankommen, die sich in den »Wirtschaftswunderjahren« abgespielt hat, aber bis heute nachhallt.
Als Elli Hajek sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht, erinnert sie sich an eine Figur, von der ihr einst ihre tschechische Großmutter erzählte: Viktorka, die junge Frau, die nach einem schwerwiegenden Ereignis für wahnsinnig erklärt wurde und fortan allein im böhmischen Wald lebte. Als Elli erfährt, dass Viktorka wirklich existierte, reist sie in das Land, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Elli will mehr erfahren – doch tief im Wald, zwischen leuchtendem Farn und reißendem Fluss, wartet eine andere Aufgabe auf sie: Bevor sie die Wahrheit über Viktorka erfährt, muss Elli sich ihrer eigenen verdrängten Geschichte stellen.
Ein junger Schauspieler, der sich hinter Büchertürmen verbarrikadiert. Eine junge Frau, die von Liebeswirren die Nase voll hat. In ihrem zauberhaft-poetischen Roman erzählt die Wiener Regisseurin Jacqueline Kornmüller von Einzelgängern und Lebensmenschen, und von Zufall und Bestimmung.
Weil er in der neuen Stadt so schnell keine Wohnung findet, zieht ein junger Schauspieler übergangsweise bei einem Freund ein. Das Zimmer ist klein, es steht lediglich ein Sofa darin. Und ein alter Schrank, dessen Tür klemmt. Doch der junge Mann hat sowieso nur Bücher dabei. Als er sie gerade zu einem Turm stapelt, öffnet sich plötzlich die Schranktür mit einem leisen Seufzen. Es kommen allerlei Hinterlassenschaften zum Vorschein – ein altes Rezeptbuch etwa, ein angeschlagenes Teeservice, ein blaues Kleid. Und an der Innenseite der Tür hängt das Foto einer jungen Frau. Ihr Blick
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»Ich freue mich sehr auf Wildboden von Constantin Lieb! Endlich wird die wilde Liebesgeschichte von Ernst Ludwig Kirchner und Erna Schilling neu erzählt.« Florian Illies
1936, Frauenkirch, inmitten der Schweizer Alpen, unweit von Davos: Umgeben von majestätischen Bergen und wortkargen Bauern führen Erna Schilling und der Maler Ernst Ludwig Kirchner ein Leben in enger Verbundenheit. Dass die politische Situation in Deutschland immer dunklere Schatten wirft und ihre Existenz auf dem Wildboden zu zerstören droht, wird vor allem für Erna zur fast unerträglichen Zerreißprobe. Trotz aller Anstrengungen, sich gegen die äußere Gefahr sowie die inneren Dämonen und die Morphiumsucht ihres Partners zu stemmen, kann sie die Tragödie nicht verhindern: Als sie mit Kirchner den Menschen, dem sie sich bedingungslos verbunden fühlt, endgültig verliert, muss sie ihr Leben radikal überdenken und selbstbestimmt um die eigene Zuversicht und Zukunft kämpfen.
Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise verwebend, erzählt Constantin Lieb so eindringlich wie hellsichtig, wie aus schmerzhaftem Verlust beeindruckende menschliche Stärke erwachsen kann, und wie die lebenslange Sehnsucht nach Halt unser Menschsein zu allen Zeiten zutiefst berührt.