Liebe ist für Thomas Brasch (1945–2001) eine Haltung, die sich jeder Festlegung verweigert. Eine Haltung, die ihre Träume fürchtend und sehnend der Wirklichkeit aussetzt und das Mögliche stets in den Horizont des Unmöglichen stellt. Braschs dichterische Leidenschaft hofft und verzweifelt, vertraut und betrügt, preist und vernichtet. Und sie belehrt: Wann, wem und wie schreibt man ein erotisches Gedicht?
In dem Band stehen Gedichte, die Brasch eigenständig und zu Lebzeiten publiziert hat, neben literarischen Hinterlassenschaften. Texte aus den frühen Jahren(»Anna, komm …«) sind ebenso vertreten wie Arbeiten aus jüngerer Zeit, etwa eine Gruppe mit Brunke-Gedichten, die in den 1990er Jahren entstanden sind.
Dieses Buch ist Teil der Reihe »75 Jahre Bibliothek Suhrkamp«: Willy Fleckhaus hatte für die Bibliothek Suhrkamp ein ikonisches Coverdesign und eine eigene visuelle Ordnung geschaffen. Mit »30 Farben für Willy Fleckhaus« (2026) greift Olaf Nicolai diese Gestaltung auf und aktualisiert die scheinbar zeitlose Gestaltungsgrammatik. Mit deren mathematisch berechneten Kombinationen bespielt er dieses Raster und verändert unseren Blick auf Fleckhaus’ Arbeit: Was ursprünglich als funktionaler Entwurf gedacht war, wird jetzt als konzeptuelle Struktur sichtbar. Nicolai erzeugt so eine neue Aufmerksamkeit für die Reihe als Form, er konserviert sie nicht, er aktiviert sie, er zeigt die Bibliothek Suhrkamp als eine höchstlebendige Struktur.
Wie können wir unserer eigenen Sterblichkeit mit Schönheit und Würde begegnen?
»Es könnte auch schön werden« versammelt unterschiedliche Texte und Textformen zu der Frage, wie man dem Alter beikommt und wie dem Tod. Wie in »Hey Guten Morgen, wie geht es dir?«, setzt sich Martina Hefter auch hier auf poetische Weise mit dem Thema Care-Arbeit auseinander.
Martina Hefter begibt sich in die Begegnung mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit und fragt so eindringlich wie phantasievoll, wie wir nicht nur als Individuen, sondern auch als Gesellschaft mit Alter und Gebrechlichkeit, mit Pflege und Sorge umgehen können. Szenische Texte und Gedichte ergänzen einander und treten in ein Gespräch mit den Leser*innen. Der titelgebende Text erzählt von den Besuchen der Autorin bei ihrer kranken »Schwermutter« in einem Leipziger Pflegeheim. Die ernüchternde Welt des Heims wird zu einem Ort, der magisch und profan zugleich ist. Im Zentrum steht immer der Blick auf den Menschen und die Frage: Wie können wir unserer eigenen Sterblichkeit mit Schönheit und Würde begegnen?
Eine Begegnung zweier Meisterinnen
Paula Modersohn-Becker war mehr als nur eine Malerin – sie war eine Visionärin, die mit ihrer innovativen Farbgestaltung den Weg in die Moderne ebnete. Ihre bekanntesten Werke treten nun in einen Dialog mit den Gedichten der expressionistischen Lyrikerin Else Lasker-Schüler. Was die beiden Frauen vereint, ist ihre Begabung, das Wesentliche in wenigen Linien bzw. Worten auszudrücken: Modersohn-Beckers klare Bildsprache und Lasker-Schülers knappe, bildreiche Poesie ergänzen sich in ihrer Simplizität und Ausdruckskraft. Die Kulturjournalistin Christiane Meixner lädt dazu ein, neue spannende Bezüge zwischen zwei prägenden Künstlerinnen zu entdecken.