Gibt es Grenzen der Einfühlung in andere? Wozu verpflichtet uns die Erinnerung an die Geschichte? Gibt es Grenzen der Pflicht, im Namen der Menschenrechte zu sprechen? Oder darf nichts uns daran hindern, die anderen als Teil des universalen Wirs wahrzunehmen? Carolin Emcke stellte sich diese Fragen bereits vor dem 7. Oktober und Gaza. Aber seither sind sie noch dringlicher. Es geht letztlich um die existenzielle Frage: Was zählt ein Mensch? Seit über 20 Jahren reist Emcke nach Israel-Palästina. Zuletzt sprach sie dort mit Menschen aus Bee'ri oder Jenin, aus Tel Aviv oder Ramallah, um die toten Winkel der Empathie im hiesigen Diskurs auszuleuchten.
Dass Schwangerschaftsabbrüche Leben retten können, hat Sibel Schick am eigenen Leib erfahren. Und auch, gegen welche Widerstände sie ankämpfen musste, bevor der rettende Eingriff durchgeführt wurde. Körperliche Selbstbestimmung ist aber keine Privatsache: Ob und unter welchen Bedingungen wir Kinder bekommen wollen, ist hochpolitisch. Reproduktive Freiheit wird heute unter Strafe gestellt, Staaten bestimmen über den Zugang zu medizinischer Versorgung – auch in Deutschland. Berührend und kämpferisch zeigt Schick, dass echte Gerechtigkeit in einer gemeinsamen Befreiung liegt.
Rechtsruck im Kinderzimmer – Wie Extremismus beginnt
Kinder zwischen Harmoniebedürftigkeit und Radikalisierung. Die Journalistin Manuela Müller zeichnet das Bild einer ostdeutschen Region, die geprägt ist von kollektiven Traumata, fehlender politischer Bildung und einer Jugend, die Rechtssein als Lebensgefühl entdeckt. Sie fragt, ob wir die Kontrolle über eine Generation verloren haben und fordert konkrete Maßnahmen, bevor sich die Mauern in den Köpfen weiter verfestigen.
Rechtsextreme Symbole und Haltungen normalisieren sich zunehmend im Alltag. Wo Manuela Müller lebt, tauchen plötzlich immer mehr Hakenkreuze im öffentlichen Raum auf – und scheinen kaum jemanden zu stören. Das ehemals harmlose Simsontreffen hat sich mittlerweile zum beliebten Nazi-Treff für junge Leute entwickelt und das Moped wird von der AfD als Symbol ostdeutscher Identität instrumentalisiert. Jugendliche inszenieren Rechtssein als Lifestyle – mit bestimmten Frisuren, Marken und Gesten. Dabei geht es um Provokation und Gruppenzugehörigkeit, während Schulen und Eltern oft überfordert sind. Wie konnte es so weit kommen, warum bleibt die Empörung aus und vor allem: Was machen wir jetzt? Manuela Müller hat ein Buch geschrieben, das aktueller und wichtiger nicht sein könnte. Mit ihrer journalistischen Perspektive auf ihre Heimat, trägt sie zum wichtigsten gesamtdeutschen Diskurs unserer Zeit bei.
›WANT‹ war der Schlüssel – ›MORE‹ stößt die Tür weit auf
Nach dem weltweiten Erfolg von ›WANT‹ kehrt Gillian Anderson mit ›MORE‹ zurück – einem noch internationaleren, mutigeren und intimeren Blick auf weibliche Lust. Wieder haben Tausende Frauen aus aller Welt anonym ihre Fantasien geteilt – ehrlich, sinnlich, verletzlich. Anderson kuratiert diese Stimmen zu einem Manifest weiblicher Freiheit und Selbstbestimmung. ›MORE‹ ist keine Sammlung erotischer Beichten, sondern ein einzigartiges Experiment: über Scham zu sprechen, Grenzen zu sprengen und Lust als Sprache der Selbstermächtigung zu begreifen. Ein Buch, das bewegt, befreit und verbindet.
Es geht ein Rechtsruck um die Welt, überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. Und doch laufen die ewig bemühten Analogien zur Zeit des Nationalsozialismus ins Leere: Der Faschismus der Gegenwart hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. In Redeckers wegweisender Analyse gewinnt sein diffuses Wesen an Kontur – und wird angreifbar. Seinen Kern verortet sie in der Beschwörung eines unbedingten Besitzanspruchs, dessen Verteidigung über Leichen geht. Ein erhellendes und widerständiges Buch, das Verbundenheit gegen die um sich greifende Härte unserer Zeit stellt.
Unnachahmlich treffsicher nimmt der Historiker Götz Aly den keineswegs immer »vorbildlichen« Umgang der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit in den Blick: Oft ist von »den Tätern« die Rede, wenn es um die NS-Verbrechen geht, von »der SS« oder »den Nationalsozialisten«. Doch es waren Hunderttausende Deutsche, die aktiv Menschheitsverbrechen ungeheuren Ausmaßes begingen, und viele Millionen, die diese billigten, zumindest aber geschehen ließen. Götz Aly setzte sich in seinen Reden immer wieder mit den vielfältigen Praktiken auseinander, die Schuld auf möglichst kleine Gruppen und Unpersonen abzuschieben. Doch auch wenn sich mancher dagegen sperrt, so zeigt Götz Aly, es bleibt »Unser Nationalsozialismus«. Seine wichtigsten Reden sind in diesem Band versammelt.