Der Protagonist Zweifelssohn – wie der jüdische Aufklärer Mendelssohn, aber mit Zweifel – reist von Wien durch verschiedene deutsche Städte bis nach Rügen und ist dabei immer auch auf der Flucht vor einer Welt, deren Ende ihn einzuholen droht. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision, wie es sonst wohl kaum jemand vermag. Emotional, voller bitterbösem Humor und hochgradig aktuell!
Vielleicht ist Zweifelssohn verrückt, vielleicht ein Genie, vielleicht ein Prophet, so genau lässt es sich nicht sagen. Jedenfalls sieht er Dinge, die andere nicht sehen: tote Verwandte auf einer Wiener Wasserstraße, prophetische Visionen in Münchner Vorstädten und eine rauchende Hannah Arendt am Berliner Landwehrkanal. Er ist das Gegenteil von Leichtigkeit, trägt in seinem Koffer die Schwere der Geschichte. Schwebt zugleich über ihr, denn bei ihm besteht alles aus Gas, wie beim Warzenschwein Pumba aus dem König der Löwen. Er hält sich fest an seinen Freund*innen und ist doch endlos weit entfernt von ihrer Gegenwart.
»Zweifelssohn« ist der poetische, witzige und verzweifelt optimistische Debütroman von Max Czollek.
»Wie sieht eine Literatur aus, die unsere Gegenwart in all ihrer Abgründigkeit, ihrer Absurdität, ihrem Witz, ihrer Gewalt und Zärtlichkeit beschreibt? Genau so!«. MITHU SANYAL
Ein Vater, ein Sohn und ein Land, das es nicht mehr gibt
Sie sehen sich nur einmal im Jahr, und jedes Mal geraten sie in Streit. Der Vater, der als junger Mann nach Deutschland kam, hier eine Familie gründete, in der Gastwirtschaft arbeitete und das Land dreißig Jahre später wieder Richtung Kroatien verließ. Und der Sohn, der in Berlin lebt, Schriftsteller geworden ist und im Gästehaus seines Vaters an der Adriaküste Urlaub macht. Im Streit befreien sie sich von den Dingen, die zwischen ihnen stehen. Und sie entdecken in scheinbar kleinen Momenten eine unerwartete Nähe: wenn sie, begleitet vom Jugo, dem warmen Südwind, mit dem Boot zur Insel vor der Bucht fahren, Tennis auf dem Platz eines verfallenen Hotels spielen oder den kleinen Acker der Familie in Bosnien besuchen. Nach und nach legen sie alte, zugewachsene Wege frei – zueinander und zu ihrer gemeinsamen Geschichte.
Jugo ist ein berührendes Vater-Sohn-Porträt. Eine Liebeserklärung an den gleichzeitig nahen und fernen Vater, dessen Rückkehr in die alte Heimat schwieriger war als seine Ankunft in einem fremden Land. Einfühlsam erkundet Ilija Matusko die Vergangenheit, die eigene und die gemeinsame, erzählt von Familie und den Konflikten im zerfallenen Jugoslawien. Und er spürt einem Gefühl nach, das Vater und Sohn verbindet: nie ganz angekommen zu sein.
David Safier erzählt in diesem dramatischen und zärtlichen Roman die Geschichte seiner Eltern: Sie führt uns vom Wien des Jahres 1937 durch die Gefängnisse der Gestapo nach Palästina, wo sein jüdischer Vater Joschi als Barmann und Spion arbeitet und schließlich zur See fährt. Seine Mutter Waltraut wächst als Tochter eines Werftarbeiters in Bremen auf, erlebt Kriegszeit, Trümmerjahre und Wirtschaftswunder. Bei ihrer ersten Begegnung ist Waltraut eine junge alleinerziehende Witwe, Joschi zwanzig Jahre älter als sie. Wenig spricht dafür, dass die beiden sich ineinander verlieben und ein gemeinsames Leben wagen – ein Leben, geprägt von steilen Höhenflügen und dramatischen Schicksalsschlägen.
Drei Meter dreißig, so hoch sind die Wände der Wiener Altbauwohnung, in der Klara und Balázs leben. Zwischen knarzendem Parkett und weit geöffneten Flügeltüren sind sie gerade dabei, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Doch eines Nachts verändert sich alles, Balázs liegt reglos im gemeinsamen Bett, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Was bleibt von einer Liebe, wenn ein Leben endet? Wer ist man, wenn man seine Heimat verlassen hat und eine fremde Sprache spricht? Zählt die Geschichte – oder vielleicht nur eine Kaffeetasse im Spülbecken, ein letzter Blick in den Spiegel? Und wenn all das entgleitet, kann man die Zeit anhalten?
Eine Geschichte, die tief in die existenziellen Fragen des Lebens eintaucht, von der Liebe erzählt und der Unfähigkeit, sie zu verlieren. Ein Buch, das erdet und zugleich schwerelos werden lässt.