Wie sähe eine Welt aus, in der das Haben nicht über unser Leben bestimmt?
»Das ist meine Schaufel!« Schon als Kind lernen wir, dass es Besitzansprüche zu verteidigen gilt. Was mir gehört, kann ich frei nutzen. Doch diese Logik kippt, sobald es um Ressourcen geht, die wir alle zum Leben brauchen — Wohnraum, Energie oder Trinkwasser.
Die Ökonomin Betiel Berhe zeigt klug und empathisch, wie Eigentum zu extremer Machtkonzentration führt und und die Krisen unserer Zeit antreibt, von der globalen Erwärmung über soziale Ungleichheit bis zu autoritären Entwicklungen. Dem setzt sie die Idee von Gemeinschaft entgegen und macht greifbar, wie wir unser Zusammenleben neu organisieren können — jenseits von Konkurrenzdenken und Eigentumsverhältnissen, die Menschen ausschließen oder in Abhängigkeit halten.
Die Debatte um »Polarisierung« ist von einem Widerspruch geprägt. Während immer mehr Menschen eine »Spaltung der Gesellschaft« fürchten, zeigen Umfragen, dass die Einstellungen der Bürger:innen gar nicht auseinanderdriften.
Nachdem er sich zuletzt mit »alternativen Fakten« befasste, widmet sich Nils C. Kumkar nun einem anderen Aspekt, der die Debatte über die Debatten verwirrt. Er zeigt, dass die Beobachtung der Gesellschaft notwendigerweise Polarisierung wahrnimmt, da Letztere im politischen System mit seinen Unterscheidungen zwischen Regierung und Opposition sowie zwischen Regierenden und Regierten angelegt ist. Spaltung, so Kumkar, lässt sich letztlich nicht überwinden. Die Frage wäre, wie man produktiver spalten kann. Kumkar bietet nicht nur eine Klarstellung in der Diskussion über Polarisierung, sondern auch eine neue Erklärung für den Erfolg des Rechtspopulismus.