Die Debatte um »Polarisierung« ist von einem Widerspruch geprägt. Während immer mehr Menschen eine »Spaltung der Gesellschaft« fürchten, zeigen Umfragen, dass die Einstellungen der Bürger:innen gar nicht auseinanderdriften.
Nachdem er sich zuletzt mit »alternativen Fakten« befasste, widmet sich Nils C. Kumkar nun einem anderen Aspekt, der die Debatte über die Debatten verwirrt. Er zeigt, dass die Beobachtung der Gesellschaft notwendigerweise Polarisierung wahrnimmt, da Letztere im politischen System mit seinen Unterscheidungen zwischen Regierung und Opposition sowie zwischen Regierenden und Regierten angelegt ist. Spaltung, so Kumkar, lässt sich letztlich nicht überwinden. Die Frage wäre, wie man produktiver spalten kann. Kumkar bietet nicht nur eine Klarstellung in der Diskussion über Polarisierung, sondern auch eine neue Erklärung für den Erfolg des Rechtspopulismus.
Von der Sehnsucht nach einer Gesellschaft, in der Respekt und Empathie wieder möglich sind
Woran sollen wir uns halten, wenn bestimmte Werte plötzlich ins Wanken geraten? Wenn scheinbar alles in unserer Gesellschaft zum Kulturkampf verkommen ist und demokratische Überzeugungen mit Füßen getreten werden? Wenn Fakten Lautstärke und Empörung weichen? Pierrot Raschdorff plädiert für eine neue Höflichkeit, die wieder Verständigung ermöglicht und in stürmischen Zeiten ein wichtiger Anker ist.
In Politik und Öffentlichkeit verrohen die Sitten: Rassismus, Hass und Rüpeleien sind wieder salonfähig. Woke und Konservative stehen sich mit Fragezeichen gegenüber und sehen sich jeweils auf verlorenem Posten. Verhärtete Fronten und Radikalisierung lassen unsere demokratischen Werte bröckeln. Mit großer Sorge blickt Pierrot Raschdorff auf diese Entwicklungen – weil wir das Gute im Menschen aus den Augen verlieren, Mitgefühl keinen Raum mehr geben und unsere Freiheit zugunsten autoritärer Kräfte aufs Spiel setzen. Mit klarem Blick und großer intellektueller Tiefe analysiert Raschdorff diese Erosion bisher fest verankerter Werte und appelliert in aufklärerischer Tradition an das Prinzip der Höflichkeit: nicht als altmodische Etikette oder schnöder Benimm, sondern als moderne Haltung, die ein Zuhören ermöglicht – gerade wenn einem der andere Standpunkt fremd ist –, und ein Miteinander auf Augenhöhe stiftet.
Das Manifest gegen Dummheit, Faulheit und Einfachheit im Umgang mit der Vielgestaltigkeit des afrikanischen Kontinents
Mehr als 1.4 Milliarden Menschen, 54 Länder, über 2.000 Sprachen, seit Jahrzehnten auf einfache Geschichten reduziert: Hunger, Safaris, vielleicht noch brutale Diktaturen. Ein ganzer Kontinent wird bis zur Horrorhaftigkeit simplifiziert, mit desaströsen Folgen … Dipo Faloyin hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Stereotype aus der Welt zu schaffen. Mit Biss, Tempo, unwiderstehlichem Charme zeichnet er ein zeitgemäßes Porträt Afrikas: urbanes Leben in Lagos, der erfolgreiche Kampf für Demokratisierung, die Kehrseite der Charity-Industrie, durchgeknallte kulinarische Rivalitäten, lebendige zivilgesellschaftliche Bewegungen, die einzigartige Rolle der Aunties im Großfamiliengefüge. Dipo Faloyin erzählt andere Geschichten, positiv, divers, kompliziert. Immer getrieben von Lebenslust und dem Glauben an eine großartige Zukunft trotz aller kolonialen Hindernisse.
Afrika ist kein Land korrigiert eine globale Wahrnehmungsverzerrung. Es ist das erzählerische Manifest gegen Dummheit, Faulheit und Einfachheit im Umgang mit der Vielgestaltigkeit des afrikanischen Kontinents. Und eine absolut hinreißende Intervention.
Gabriel Zucman gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Ökonomen weltweit. Seit Jahren forscht er zu Steuergerechtigkeit und Steuervermeidung. Gerade diejenigen, so sein Befund, die ein im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbares Vermögen angehäuft haben, leisten oft keinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Kassen. Das ist nicht nur ein Problem für die Staatsfinanzen, sondern auch eine eklatante Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes.
Im Februar 2025 votierte die französische Nationalversammlung für die »Taxe Zucman«: eine Steuer von zwei Prozent für Superreiche. Seither steht Gabriel Zucman im Zentrum einer hitzigen Debatte. Während einer der reichsten Menschen der Welt ihn persönlich diffamierte, wird er auf den Straßen Frankreichs gefeiert. In seinem neuen Buch erläutert er seinen Vorschlag so kompakt wie verständlich und erklärt, wie seine Steuer auch in Deutschland funktionieren kann.