Der Klimawandel stellt die Menschheit vor ein großes Dilemma. Es fällt uns schwer, das Streben nach einem guten Leben aufzugeben. Doch dieses Leben, das auf einem unstillbaren Hunger nach Energie beruht, die hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, schädigt das geobiologische System, das die Existenz aller Lebensformen auf der Erde ermöglicht. Es gibt nur diesen einen Planeten. Aber zugleich ist er gespalten – in viele Welten, Kulturen, Staaten.
Die globale Herrschaft des Finanz- und Rohstoffkapitals verbindet die Menschen zwar technologisch, aber entlang tiefgreifender Achsen der Ungleichheit bleiben sie zugleich voneinander getrennt. Im Rahmen der von ihm entwickelten historischen Erzählung unserer Gegenwart erkundet Dipesh Chakrabarty in seinem neuen Buch die zeitlichen und intellektuellen Verwerfungen, die die Kollision des Planetarischen und des Globalen in der Geschichte der Menschheit hervorruft. Der große indische Historiker bietet uns damit einen einzigartigen Blick auf den Klimawandel und das Verhältnis zwischen Menschen und Natur – und nicht zuletzt auch auf vergangene und zukünftige globale Pandemien.
Seit Jahrzehnten wissen wir um die Erderwärmung und ihre Gefährlichkeit und dennoch nehmen die globalen Treibhausgasemissionen weiter zu. Offensichtlich gelingt es uns nicht, den Klimawandel zu stoppen, vielmehr verkaufen wir unsere Zukunft für die nächsten Quartalszahlen, das kommende Wahlergebnis und das heutige Vergnügen. In seinem vieldiskutierten Buch liefert Jens Beckert eine Erklärung für unser Zögern und Versagen. Er zeigt, warum es sich beim Klimawandel um ein Problem handelt, an dem die kapitalistische Moderne aufgrund ihrer institutionellen und kulturellen Strukturen scheitern muss. Daher sind nun Anpassungsfähigkeit, Resilienz und solidarisches Handeln gefragt und vor allem: eine realistische Klimapolitik.
Zu den erstaunlichen Phänomen der hochmodernen Kultur gehört, dass sehr viele Menschen Horoskope konsumieren. Ob in Illustrierten, im Fernsehen oder neuerdings als Tiktok-Videos und Instagramm-Reels: Astro boomt. Aber warum? Die bis heute interessanteste Antwort auf diese Frage hat Theodor W. Adorno gegeben. Sie lautet: Die banalen, aber stets im hohen Ton der Vernunft daherkommenden Auskünfte – »Flexibilität hilft«, »In Beziehungen bringt Geduld mehr als Druck« usw. – bieten dem Einzelnen Entlastung durch aktive Anpassung an die Verhältnisse. Anders gesagt: Horoskope lehren Konformität.
Dieses Buch ist Teil der Reihe Essenzen.
Mit dieser Reihe versammeln wir kurze, prägnante Texte großer Denker im kleinen Format – als besonders gestaltete und handliche Essenzen, die zentrale Ideen zugänglich machen und zur erneuten Lektüre einladen. Die Reihe eröffnet kompakte Zugänge zu einflussreichen Positionen der Geistes- und Sozialwissenschaften und stellt ihre Aktualität im heutigen Diskurs heraus.
Wir sind es gewohnt, Menschen nach Geschlecht, Rasse, Alter oder Intelligenz zu unterscheiden. Doch ebenso wie die Abgrenzungen des Menschen von der Natur, den Tieren, dem Göttlichen oder den Maschinen sind diese Differenzierungen höchst ungewiss. Étienne Balibar kennzeichnet diese Ungewissheit mit dem Begriff der anthropologischen Differenzen und zeigt, dass sich diese nie eindeutig bestimmen lassen, sondern immer wieder institutionell festgeschrieben werden müssen. Sind sie daher von Gewalt, Herrschaft und Kämpfen geprägt? Und wie werden sie im Rassismus, aber auch in emanzipatorischen Politiken wirksam? Können wir uns von ihnen oder durch sie befreien? Indem er das Unbehagen der menschlichen Gattung freilegt, entwirft Balibar eine neue Philosophie und Anthropologie.
Neue Erfahrungen führen uns an die Schwelle zu einem anderen Leben. Aber wagen wir auch den nächsten Schritt? Das erste Mal ohne Stützräder Fahrrad fahren. Eine Auster essen. Den Job verlieren. Jede neue Erfahrung könnte uns aufrütteln und unser Leben verändern. Der erste Kuss kann uns die Liebe eröffnen – oder verderben. Fritz Breithaupt zeigt in seinem faszinierenden Buch, dass die Konturen unseres Lebens fundamental von Erfahrungen bestimmt werden: von solchen, die wir zum ersten Mal machen, von Wiederholungen oder von imaginierten Erlebnissen.
Das erste Mal öffnet Türen – oder schließt sie. In der Wiederholung können wir vergleichen, genießen, beurteilen, revidieren. Wir entwickeln Standards. Das erlaubt uns, auszusortieren. Wiederholungsfixierung, sei es im eigenen Leben oder in der Politik, kann allerdings auch zur Vermeidung des Neuen führen. Imaginierte Erfahrungen schließlich sind die geheimen Leitsterne unserer Navigation. Denn auch das ungelebte Leben pocht auf seine Geltung. Breithaupt stützt sich auf reiche Befunde der Psychologie und Philosophie, verarbeitet neue wissenschaftliche Erkenntnisse seines eigenen Labors und durchleuchtet die Archive auf der Suche nach Aufzeichnungen sexueller und ästhetischer Natur. An unseren vielschichtigen Erlebnisweisen zeigt sich, was uns von intelligenten Maschinen unterscheidet: Wir Menschen sind Erfahrungswesen.
Die Vergangenheit berühren, riechen und schmecken, die wichtigen Erlebnisse und Erfahrungen sinnlich nachvollziehen – dazu lädt Hans Ulrich Gumbrecht die Leser in seinem faszinierenden Buch über das Jahr 1926 ein.
Den Themen sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Boxen, Eisenbahnen, Philosophie, Jazz, Bergsteigen, Kino, Ozeandampfer, Pomade, Stierkampf und vieles mehr. Gumbrecht sichtet Romane, Reportagen, Reiseberichte, aber auch Werbe- und Todesanzeigen und fügt diese zum Bild eines scheinbar »ganz gewöhnlichen Jahres« zusammen. Wir begegnen gepflegten Sekretärinnen und streikenden Arbeitern, berühmten Boxern und halbnackten Revuegirls, fiebern in Sportarenen beim Sechstagerennen und werden Zeugen von Gewaltverbrechen und Straßenkämpfen.
So entfaltet diese ungewöhnliche Reise in das Jahr 1926 nicht nur ein vielschichtiges Panorama eines Jahres zwischen Aufbruch und Abgrund, sondern ist auch eine Einladung, die eigene Wahrnehmung von Geschichte zu hinterfragen.
Subjektivität und Wahrheit ist der Titel eines Bandes von Foucaults Vorlesungen am Collège de France aus den Jahren 1980-1981. Anlässlich seines 100. Geburtstags haben wir ihn auf diesem limitierten Notizbuch verewigt.
»Sanders hat den politischen Diskurs der USA verändert. Seinen Ideen gehört die Zukunft.« Die ZEIT
Bernie Sanders ist die Stimme des demokratischen Widerstands in den USA. Auf seiner »Fighting Oligarchy«-Tour stehen prägende Figuren wie der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, und Alexandria Ocasio-Cortez mit ihm gemeinsam auf der Bühne. Die schon jetzt historisch bedeutsame Protestbewegung ist die Wiederbelebung der progressiven Kräfte. Mit diesem Buch ruft Bernie Sanders zum Widerstand gegen Trump und die weltweite Oligarchie auf.
Bernie Sanders sagt als einer der wenigen Politiker weltweit dem oligarchischen System lautstark den Kampf an. In seinem Buch erklärt, was eine oligarchische Gesellschaft ausmacht. Was es bedeutet, wenn die Superreichen immer reicher werden und wie eine korrupte Wahlkampffinanzierung es Milliardären ermöglicht, zunehmend die Kontrolle über das politische System zu übernehmen. Die USA bewegen sich unter Donald Trump in Richtung Autoritarismus – mit einem Präsidenten, der die Demokratie untergräbt, indem er die Gerichte, die Medien und die Universitäten angreift. Und doch wird Sanders nicht müde, daran zu erinnern, dass die wahre Macht beim Volk liegt und diese Entwicklungen keineswegs einfach hingekommen werden müssen. Dieses Buch ist ein eindringlicher Aufruf zum gemeinsamen, demokratischen Widerstand.
Von den banalsten Anwendungen im Internet bis zu den gravierendsten in Kriegen: Künstliche Intelligenz ist aus unserer Lebenswelt nicht mehr wegzudenken. Bisweilen erzeugt ihre Allgegenwart sogar das Gefühl, einer überwältigenden Technologie ohnmächtig ausgeliefert zu sein. KI als Schicksal? Nein, sagt der Ökonom Maximilian Kasy und zeigt in seinem augenöffnenden, ganz zugänglich geschriebenen Buch, dass künstliche Intelligenz weder undurchschaubar noch unkontrollierbar ist. Denn unser Leben mit KI wird nicht von Technik bestimmt, sondern von Menschen.
Um dies zu verdeutlichen, legt Kasy zunächst die Grundprinzipien dar, nach denen KI funktioniert. Dabei stellt sich heraus, dass sie weit weniger kompliziert ist als gerne behauptet. Sie ist jedoch heimtückisch, weil sie Ergebnisse nach den Wünschen ihrer Eigentümer zu steuern vermag. Fatal wäre es daher, wenn eine der folgenreichsten Technologien der Menschheit im Besitz von wenigen wäre, denen es primär um Profite und den Ausbau ihrer Macht geht. Das ist im Augenblick aber der Fall, und so ist es höchste Zeit, die Mittel der Prädiktion – Daten, Rechenleistung, Fachwissen, Energie – unter öffentliche demokratische Kontrolle zu bringen. Wenn es uns gelingt, die Ziele der KI am Gemeinwohl auszurichten, könnte unser aller Leben mit ihr ein gutes werden.
Spätestens seit der Allianz von Donald Trump und Elon Musk ist klar: Die Tech-Milliardäre sind nicht nur die reichsten Männer der Welt, es geht ihnen auch um politische Macht und um die radikale Umgestaltung von Gesellschaft und Natur.
Als Douglas Rushkoff eine Einladung in ein exklusives Wüstenresort erhält, nimmt er an, dass er dort über Zukunftstechnologien sprechen soll. Stattdessen sieht er sich Milliardären gegenüber, die ihn zu Luxusbunkern und Marskolonien befragen. Während die Welt mit der Klimakatastrophe und sozialen Krisen ringt, zerbrechen sich diese Männer den Kopf, wie sie im Fall eines Systemkollapses ihre Privatarmeen in Schach halten können.
Der Medientheoretiker Rushkoff verfolgt die Internetrevolution seit Jahrzehnten, ist Erfinder der Begriffe »viral gehen« und »Digital Natives«, bewegte sich lange im Kreis von Vordenkern und kreativen Zerstörern. In einer Zeit, in der Elon Musk und Peter Thiel sich immer stärker in die Politik einmischen, rekonstruiert er, wie aus der Aufbruchsstimmung der 1990er ein Programm aus Angst und Größenwahn werden konnte. Viele Tech-Unternehmer wollen uns Normalsterbliche einfach nur hinter sich lassen, werden aber als Visionäre gefeiert. Angesichts der Zerrüttungen, die ihre Geschäftsmodelle produzieren, müssen wir uns von ihrem Mindset befreien – denn mitnehmen werden sie uns auf ihrem Exodus sicher nicht.
Ein flammendes Plädoyer gegen Egomanie und für die Wiederentdeckung kooperativen Handelns