In dieser in den frühen 1960er Jahren entstandenen Untersuchung bestimmt Niklas Luhmann zunächst das Erzeugen verbindlicher Entscheidungen als die Zentralaufgabe einer Verwaltungsorganisation, um sich sodann eingehend mit dem zu beschäftigen, was er als wesentliche Herausforderung eines solchen sozialen Systems begreift: das Management seiner eigenen Grenzen. In souveräner Argumentation und praxisnah zeigt Luhmann, wie Verwaltungen die unterschiedlichen Erwartungen ihrer Umwelten so ausbalancieren, dass ihre Grenzen stabil und ihre Strukturen funktionsfähig bleiben. Ein höchst origineller Zugriff auf die Verwaltung – das Rückgrat der modernen Gesellschaft.
Elon Musk bezeichnet die Plattform X als »kybernetische Superintelligenz«, Mark Zuckerberg denkt Unternehmen als »lernende Organismen«, und der Erfinder der Datenbrille Google Glass sagt: »Die Kybernetik ist überall, wie Luft.« Diese Aussagen kommen nicht von ungefähr. Wer die Digitalisierung verstehen will, muss auf ihre kybernetischen Ursprünge schauen. In ihrem grundlegenden Buch zeichnet Anna-Verena Nosthoff ein umfassendes Panorama der Kybernetisierung der datafizierten Gegenwartsgesellschaft – von den ersten Prämissen der »Wissenschaft von Kommunikation und Kontrolle« über die Emergenz des Cyberspace bis hin zum aktuellen KI-Hype und zu technikautoritären Strömungen. Es zeigt sich: Die Kybernetisierung erfasst auch die Kritik – die sich daher neu erfinden muss, um zu überleben.
In Stolz und Zweifel widerspricht Marlen Hobrack dem vorherrschenden Narrativ der Mutterschaft als Überforderung, Verlust oder Rückschritt. Sie setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen, feministischen Deutungen auseinander, in denen Fürsorge, Abhängigkeit und Bindung vor allem als Defizite erscheinen, und fragt provokant: Was geht verloren, wenn Mutterschaft fast nur noch unter dem Vorzeichen von Verzicht und Scheitern erzählt wird?
Ein kluges zeitdiagnostisches Plädoyer für Stolz und Zweifel, für Bindung und Selbstbehauptung und dafür, dass Muttersein kein Makel sein darf.
—Marlen Hobrack ist Gewinnerin des
Anna Seghers-Preises 2025