Politischer Größenwahn und das Verblassen des amerikanischen Traums, die Fragilität der liberalen Demokratie, aber auch Antisemitismus, Rassismus und Misogynie: Ohne Bezug auf die Schlüsselgefühle der explosiven Moderne lassen sie sich weder verstehen noch einhegen oder bekämpfen.
Angst, Enttäuschung, Wut, aber auch Scham oder Liebe – Eva Illouz blickt auf unsere aufgewühlte Zeit aus der Perspektive der Gefühle, die fest in die sozialen Arrangements der westlichen Moderne eingebaut sind und von ihrer Ökonomie, Politik und Kultur intensiv bewirtschaftet werden. Gefühle sind psychologisch relevant, moralisch bedeutsam, politisch wirksam – und hochgradig ambivalent. Das macht die Gegenwart, in der wir leben, so brisant, ja explosiv.
In einer meisterlichen Komposition aus soziologischen Analysen, historischen Miniaturen und Lektüren ikonischer Werke der Weltliteratur porträtiert Illouz die Emotionen, die unsere Gesellschaft unter Hochspannung setzen.
Empathie gilt als höchste Kunst des Miteinanders. Trotzdem scheint sie der gegenwärtigen Debattenkultur abhanden gekommen zu sein. Im digitalen survival of the fittest beschäftigen sich alle mit allem, vorrangig jedoch mit sich selbst. Meinungen werden absolut, Zwischentöne unmöglich.
Warum wir wieder lernen müssen, empathisch zu sein - oder zumindest mehr empathische Egoisten brauchen -, erzählt Yasmine M’Barek in I FEEL YOU. Von relatable content auf Instagram über den Zusammenhang von Empathie und Kapitalismus bis zum Tod der Kritik: Mit Schärfe, Humor und analytischer Klarheit plädiert Yasmine M’Barek für ein gesellschaftliches Wiederentdecken der Empathie - politisch, privat und popkulturell.
Was, wenn Zusammenbleiben die höchste Form der Freiheit ist?
Die Wahlmöglichkeiten unserer Zeit stellen Beziehungen vor die Frage: Warum bleiben, wenn man doch immer gehen kann? Ausgehend von ihrer eigenen Paargeschichte entwickelt Bestsellerautorin Svenja Flaßpöhler den Gedanken, dass gerade die Möglichkeit der Trennung, die Voraussetzung eines freien Bleibens ist.
Gemeinsam alt werden – zwischen Trennungsraten, Polyamorie und der Sehnsucht nach dem nächsten ›Match‹ wirkt das wie ein überkommenes Lebensmodell, das man eher aus Pflicht erfüllt. Doch was, wenn genau dort, im vermeintlich Unzeitgemäßen, eine übersehene Form von Freiheit steckt? In Auseinandersetzung mit Søren Kierkegaard schaut Svenja Flaßpöhler auf ihre eigene Ehe und dorthin, wo moderne Beziehungen am empfindlichsten sind: in die Zone des Konflikts zwischen Mann und Frau, zwischen Gewohnheit und Lust, zwischen Realität und Reiz des Möglichen. Gerade hier, in der Möglichkeit zu gehen, entdeckt Flaßpöhler die Voraussetzung eines freien Bleibens. Nicht aus Konvention oder Zwang, sondern als bewusste Wahl, den Konflikt zu wagen – auch mit sich selbst. Eine lebendige, konkrete Philosophie und ein flammendes Plädoyer für die feste Zweierbeziehung.
Die Bundesrepublik Deutschland von Wiederaufbau bis Wiedervereinigung: das Abenteuer Jugend in der BRD
Wie war sie, die Kindheit früher in Westdeutschland, irgendwo zwischen Wirtschaftswunder und Konsumgesellschaft, 68er-Bewegung, WAA-Protesten und der Katastrophe von Tschernobyl? Nach »Die Bonner Republik« hat sich Fotograf Wolfgang Vollmer für den Greven Verlag erneut auf Bilderjagd in den Archiven begeben. Mit seinem Gespür für einzigartige Momente hat er eine Fotosammlung erstellt, die Kinder und Jugendliche aus rund vier Jahrzehnten BRD in den Blick nimmt. Dazu analysiert SZ-Journalist Heribert Prantl mit kluger Beobachtungsgabe, was junge Menschen in diesen aufregenden Zeiten prägte, begeisterte und bewegte: Von der »Bravo« bis zum Bonanzarad, von der Halbstarken-Bewegung bis zum Hausbesetzertum.
Jugend zwischen Anpassung und Aufbegehren: Fotogeschichte einer Republik im Reifeprozess
Aufgewachsen in den 50er Jahren mit der heilen TV-Welt von Lassie, Flipper und Co., erwärmten sich viele später für die Rolling Stones oder Rudi Dutschke. Zwischen biederem Alltag und radikalem Aufbruch formten sie das Gesicht einer modernen Gesellschaft der Nachkriegszeit.
Rund 250 ausgewählte historische Fotos nehmen die Leser:innen mit auf Zeitreise, u.a. von Will McBride, Barbara Klemm, Jupp Darchinger, Friedrich Seidenstücker, Christel Fomm, Abisag Tüllmann, Wolfang Haut, Dirk Reinartz, Alfred Tritschler, Brigitte Stachowski, Verena von Gagern, Hansherbert Wirtz, Marga Kingler. Anita Kloten und Oswald Kettenberger.
Der Fotoband porträtiert Jugendkulturen von Gammlern bis Punks, zeigt neue Perspektiven auf große Momente der Zeitgeschichte und erinnert an die Lieblingsspielzeuge unserer Kindheit. Eine erkenntnisreiche Studie über die Jugend in Deutschland bis zur Wende - und zugleich ein nostalgischer Blick zurück auf die eigene Biografie.
Am 7. Oktober 2023 verübte die radikalislamische Terrormiliz Hamas verheerende Anschläge in Israel. Doch am nächsten Tag dominierte nicht Mitgefühl für die Angegriffenen die öffentliche Meinung. Vielmehr wurden die Attacken in progressiven Kreisen von Berlin über Paris bis New York als Akt des Widerstands legitimiert, ja teilweise sogar bejubelt. Woher kommt dieser Hass, der sich selbst für moralisch überlegen hält?
Die Ereignisse vom 7., aber auch die vom 8. Oktober haben Eva Illouz tief erschüttert. In ihrer kämpferischen Intervention zeichnet sie nach, wie Identitätspolitik und vom französischen Poststrukturalismus inspirierte Theorien zum Nährboden für ein Denken werden konnten, das historische Tatsachen und die ihnen innewohnende Komplexität ausblendet und Israel zum Inbegriff des kolonialistischen Bösen stilisiert.
Zunächst sieht alles nach Vergnügen aus: Man ölt die Bärte und trägt bauchfrei, Großstädter zelebrieren das «Bionade-Biedermeier», Tausende stehen für «Harry Potter» Schlange, via Facebook werden weltweite soziale Netzwerke geknüpft. In den Nullerjahren lebt der Mensch des Westens die maximale Selbstbestimmung, sorglos, befriedet. Doch die Feier der Freiheit zeigt bald ihre Schattenseiten. TV-Formate wie «Big Brother» bejubeln den gläsernen Menschen; aus dem Silicon Valley heraus entwickelt sich eine neue Kultur des entgrenzten Konsums; Peter Thiel und Elon Musk beginnen ihre Karrieren, Donald Trump steigt auf. Die offene Gesellschaft gerät unter Druck: 2001 beginnt der War on Terror, in Deutschland mordet der NSU, 2008 bricht die Weltwirtschaft ein und lässt die globale Ordnung erbeben.
Jens Balzer nimmt uns mit auf einen flirrenden Erkundungsgang durch Popkultur und Polit
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